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Jeschurun · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Die religiöse Gewöhnung im Kindesalter, 235 Findet sich doch in der modernen Pädagogik die Ansicht vertreten, daß das Kind besser noch gar nichts mit Religion zu tun haben sollte. Und wie kann wohl dem jungen Kinde Religion dargeboten werden? Müssen nicht alle Versuche an der noch unentwickelten Seele wirkungslos abprallen? Werden sie nicht hie und da eine unnötige, unerquickliche Frühreife hervorzwingen? Anderen Religionsformen gegenüber sind diese und andere Bedenken vielleicht mit Recht geltend zu machen. Aber aus dem eigentümlichen Wesen des Judentums erwachsen der jüdischen Erziehung besondere Möglichkeiten einer frühen Einführung in die Religion. Ist doch das religiöse Handeln, die religiöse Lebensführung ein Hauptmoment unserer Religion. — לא המדרש עקר אלא המעשה — und die Anteilnahme an den ״äußeren Pflichten“ — wie sie Bechai nennt — ist auch dem Kinde sehr wohl schon möglich. Es kann also das junge jüdische Kind beginnen, wie das junge jüdische Volk einst begann, mit dem נעשה, mit dem Tun. Ja, ist denn aber das Tun nicht erst das Resultat von Gefühl und Erkenntnis, die Blüte der Gesinnung? Beim selbständigen Handeln des reifen Menschen trifft das gewiß zu. Aber der Erzieher, der die Grundlage zu einer gewissen Lebenshaltung geben will, kann das Kind nicht den Weg über die Erkenntnis zur Tat führen. Ein Beispiel aus der aUgemeinen Erziehung wird den richtigen Weg verdeutlichen. Wünscht ein Erzieher ein Kind zu den vornehmen Umgangsformen seiner Zeit heranzubilden, so wird er damit beginnen müssen, wenn das Kind die ersten Schuhe anzieht. Ist es doch allgemein anerkannt, wie schwer eine gute Kinderstube im zweiten oder gar im dritten Jahrzehnt des Lebens nachzuholen ist. Wie aber erzieht man ein Kind zu feinen Sitten? Durch welche intellektuellen Erwägungen oder durch welche Gefühlsmomente wird man es von der Notwendigkeit der gewünschten Umgangsformen überzeugen? Zunächst kann von Erläuterungen und dergleichen nicht die Rede sein. Das Kind braucht sie auch gar nicht. Der Erzieher sagt dem Kinde einfach, was es tun soll, resp. wie es etwas tun soll, z. B.: ״Gib 16*

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