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Jeschurun · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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228 Vom alten Stamm. ״Da kommt ein zweiter Junge gelaufen, mit einem sonnengebräunten Gesichtchen, langen, schwarzen Locken, schwarzen, glänzenden Augen und ,wunderbaren zarten, jungen Gliedern, greift sich aus dem Reisesack des andern ein Stück Butterbrot heraus und ruft ihm mit vollgestopftem Mund die Worte zu: ״Lamoreh . . . lamoreh“ (״zum Lehrer“!)! ״Auch ein jüdisches Kindl“ fragt die Alte. ״Ja, natürlich.“ ״Er gellt doch barhäuptig herum und ißt ohne Segensspruch״ wundert sie sich. ״Dafür spricht er die heilige Sprache.“ ״Was nützt ihm die heilige Sprache, wenn sie keine Juden sind“, seufzt die Alte. ״Ein jüdisches Kind, barhäuptig, ißt ohne Segensspruch. Und dazu noch hier, auf der heiligen Erde . . .“ ״Dafür spricht er die heilige Sprache4־, das ist die Meinung Schablom Aschs, denn er ist es, der hier das Wort führt, und die ״Alte44, das ist eben so eine beschränkte, altmodische, törichte Frau!ז) Mancher wird es sehr seltsam finden, wenn wir sagen, daß diese einzige Stelle es uns unmöglich macht, dies Buch, das doch soviel Schönes enthält, der Jugend zu empfehlen. Aber er sollte versuchen uns zu verstehen. Zu den wesentliehen und bedeutsamsten Mitteln der religiösen Erziehung zählt für uns die Gewöhnung des Kindes an den Segensspruch vor dem Essen. Diesen Segensspruch in keiner Lebenslage zu vergessen, mitten in nichtjüdischer Umgebung Gottes Namen zu heiligen, ihn mit Inbrunst auszusprechen und dabei alle Liebe zu empfinden, die wir dem Vater des All, dem Spender alles Guten entgegenbringen, das wird dem Kinde als eine der vornehmsten Aufgaben eingeprägt. Und wenn ich von *) Der ״Jüdische Verlag“ sollte, will er wirklich diesen Ehrentitel mit Recht führen, sich auch nicht dazu hergeben, ein Buch zu veröffentlichen wie ״Kleine Geschichten aus der Bibel“ von Schalom Asch. Unsere Bibel und gar unser Palladium die Thora sollte jedem Juden zu hoch stehen, als daß er ihre Erzählungen in ein Gewand kleidet, das jedem, auch dem kindlichen Leser zu verstehen gibt, es handle sich hier nur um Märchen. Der Gipfel aber ist es wohl, ,wenn unter den reproduzierten Holzstichen in der Darstellung von Jakobs Traum auf der Flucht vor Esau Gott selbst über der Leiter stehend gezeichnet ist.

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