Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Vom alten Stamm. beim Gesang des Chors, dem Spiel der Orgel (!). Sein höchster Gottesdienst ist, daß er den größten Fisch immer fängt zum Abendessen nach dem Versöhnungstag. Und da er einmal trotz, drohenden Sturmes aufs Meer fährt, um diesen Dienst seinem Gotte zu leisten, der große Fisch ihn immer, wie ein Blendwerk, weiter hinauslockt, und er rettungslos im Unwetter verloren scheint, weil der Jomkippur hereingebrochen und er nicht mehr rudern will, da singt er die Melodie von ״Mi jonuach umi jonua“ ganz so, wie der Chor sie singt, während ihn die Orgel begleitet. Und da erscheinen zwei weiße Gestalten, wie aus Nebel gewebt, mit aufgelösten Haaren und leuchtenden Augen,, schreiten an den Händen sich haltend, barfuß übers Meer . . . wandeln über die Wellen mit ihm wie überWiesen und Hügel und führen ihn ruhig durch Sturm und Getümmel .... Im Boot aber ist das Netz, und im Netz der goldene Fisch. Den Fisch aber ließ man sich gut schmecken. Jojchenen, der Wasserführer hat von Gott einen Spürsinn verliehen bekommen, daß er den Geruch der Thora erkennt. Er kann zwar die Psalmen nicht einmal richtig lesen. Aber er hat sich die Aufgabe gestellt, die frommen Gelehrten zu bedienen, ihnen einen Trunk Wasser beim ״Lernen“ zu reichen. Nun hatte er Angst, er könnte einmal auf einen falschen Weisen treffen und betete zu Gott. Und Gott erwies ihm die Gnade. ״Ich brauche nur an einem Weisen vorüberzuziehen“, sagt er, ״um seinen Rang zu wissen“. ״Es gibt Gelehrte, deren Thora wie frisches Brot riecht, eben aus dem Ofen heraus. Das sind die simpeln Lerner. Die Thora der anderen, die höher gestiegen sind, riecht wie frische Apfel, manchmal auch wie Blumen auf dem Felde, oder wohl auch wie frisches Gewürz“. Und nun kommt eine Teufelsgeschichte, in welcher der Wasserführer eine große Rolle spielt, einen ״Porusch“ als mit Lilis, der Teufelin, im Bunde entlarvt, was dem ״Oirach Chajim“ dem hochgelehrten und verdienten und heiligen Rabbiner nicht gelungen. Awrehmel ist ein völlig unwissender Mensch, er weiß nicht einmal, was ״beten“ heißt, ja er ist in seinem ganzen Gebahren