Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom alten Stamm. 221 eine Art Trottel. Er kann nur das ״Schma Jissroel“. Einem alten Mann ist er in der Stadt begegnet, der habe ihm gesagt, wer sein Vater sei und habe ihn mit dem Vater reden, das ״Schma Jissroel“ sprechen gelehrt. Er verstehe wohl nicht, was er mit dem Vater rede, aber der alte Mann habe ihm versichert, ״daß es der Vater verstehe und Freude daran habe“. Er erspart der Gemeinde einen ״Schulklopfer״, denn das ist sein Verdienst, dreimal am Tage spielt er das ״Schma Jissroel“ auf der Baßgeige. Dann flössen die Töne seiner Baßgeige durch die stille Nacht und drangen in die Häuser und die Herzen ein. Wen der ״Schulhammer“ nicht weckte, den weckte das andächtige Bu, bu, buh, buh . . . und trieb ihn aus dem Bett. Und da er einmal auf einer großen Hochzeit, wo der Vorsteher von Lublin und der Rabbiner von Krakau sich ver- Schwägern, die Baßgeige spielt und weil seine Einfalt zu Tage tritt, zum Spotte werden soll, da öffnet sich die Tür, und der ,.Alte“ tritt herein. ״Und während Awrehmel noch immer sein Buh, buh weiter ertönen läßt, da hebt der Alte den rechten Arm empor, die Decke teilt sich . . . und über der Öffnung wird der Himmel sichtbar, sternenfunkelnd. Und der Mond schwebt vorüber! Und wie er vorübergeschwebt, winkt der Alte wieder nach oben: Da teilt sich der Himmel selbst, und in der Höhe breitet sich zitternd das ureigene Licht aus, aus dem ein Singen und Spielen heraustönt. Es singen und spielen die Engel zum Mitternachtsgebet. Alle die gleiche Melodie; auch Awrehmel der Baßgeiger. Er schwebt mit in dem Preisgesange des Lichtes, das oben in der Höhe bebt, sich wiegt und hebt. Und alle Gäste zittern vor Schrecken . . . Und wieder winkt der Alte nach oben, der Himmel schließt sich. Die Musik hat aufgehört. Die Sterne wandeln und funkeln wie in stiller trauriger Lust. Und noch einmal winkt der Alte, und die beiden Hälften des Daches fallen wieder zurück und schließen sich zusammen. Wie versteinert sitzen die Gäste, atmen kaum und jetzt ertönt Awrehmels Baßgeige wieder: Bu, bu, buh, huh . . . Aber plötzlich entfallen ihm Bogen und Geige. Er richtet sich auf, wendet das Gesicht den Gästen