Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom alter! Stamm. 219 politisch wild bewegten Zeit viel Schlechtes geschrieben. Revolutionäres, Unsittliches, Irregiliöses. Aber in dieser Literatur ist wiederum so viel Schönes und Herzbewegendes niedergelegt, sie ist, wie schon erwähnt, so sehr der Schlüssel zum Verständnis der jüdischen Volksseele, daß nicht energisch genug auf diese in Westeuropa noch viel zu wenig gewürdigte Quelle verwiesen werden kann. Das soll bei anderer Gelegenheit in größerer Ausführlichkeit geschehen. Heute wollten wir diese Bemerkungen nur vorausschicken, um keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, wir sehr wir den Reichtum dessen, was uns in jenen Schriftwerken geboten wird, schätzen, und daß der Tadel, den wir an die Versuche knüpfen, diese Literatur uns näher zu bringen, frei von jedem Ubelwollen ist, nur geboren aus dem Bestreben, der Sache zu dienen. Der ״Jüdische Verlag“ bringt in seiner Sammlung ״Vom alten Stamm“ vier Bändchen heraus, Übertragungen aus dem ״Jiddisch“. Sie führt den Untertitel: ״Eine Sammlung jüdischer Bücher“1). Ob sie diesen Titel zu Recht führt, das sei der Gegenstand der folgenden Erörterungen. Da sind zunächst die Erzählungen von Perez. Für die, denen nun einmal das ״Jiddisch“ unbekannt, ein treffliches Mittel, sie in diese eigenartige Welt einzuführen. Ein bedeutender Autor, eine größere Anzahl von Erzählungen kleinen Umfangs, Heiteres mit Ernstem gemischt, mannigfachen Inhalts. Und dennoch, wir können diese Erzählungen nicht als einen echten Spiegel der geschilderten Kreise ansehen, sie gibt zum Teil ein sehr einseitiges, zum Teil ein falsches Bild. ״Selig sind die Armen im Geiste“, das könnte man als Motto setzen über die Erzählungen: ״Satje der Fischer“, ״Der Baßgeiger“, ״Jojchenen der Wasserführer“. Da ist der Fischer, dessen Wohnstätte zwar nach Holland verlegt wird, und der dort nichts anderes von der ״Jtidischkeit“ kennt als den Jomkippur, den er in der nächsten größeren Gemeinde verbringt, l) Jüdischer Verlag, Berlin W. 15. jeder Band M. 2.—, geb. M. 3.—.