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Jeschurun · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Bedeutungs-Wechsel von Bibelversen. 215 oft genug das größte Unglück über Israel im Lauf der Geschichte heraufbeschworen haben, größeres, als durch auswärtige Feinde. Nicht minder bekannt ist die Deutung des Wortes עקרת in Psalm 113,9. das im Zusammenhang nichts anderes bedeutet als ״die Kinderlose, die Unfruchtbare44 und dem der Yolksmund mit etwas veränderter Vokalisation die Bedeutung die ״Hauptsache, die Hauptperson, die Stütze des Hauses44 gegeben hat. Er liest עקרת von ״ עקרDie Wurzel44. Nicht ganz so bekannt dürfte es sein, daß auch zwei oft benutzte Verse im Propheten Maleachi eine ganz andere, ja eine geradezu entgegengesetzte Bedeutung des Sinnes haben, welchen der Volksmund dem aus dem Zusammenhang gerissenen Wort beilegt. Der Grundsatz, daß alle Menschen ohne Unterschied Brüder, Geschwister sind, bedarf schon im Hinblick auf die sprachliche Wendung ״ בני ארסdie Kinder Adams die Menschen44 eigentlich keiner weiteren Stütze und Beweise. Immerhin mag auf die diesbezüglichen Sätze des Rabbi ‘Akiba und Ben‘Asai hingewiesen werden. Im Volksmunde aber, in vielen Leitfäden der Religion, in Predigten usw. wird nun als Beleg dieses hochwichtigen religiösen Fundamentalsatzes oft der Satz aus Maleachi II, 10 angeführt: ״ הלא אב אהד לכלנו הלא אל ^חד בראנוFürwahr einen Vater haben wir alle, fürwahr ein Gott hat uns alle geschaffen!4״ Im Zusammenhang der Rede beweist dieser Satz den vom Volksmund ihm gegebenen Sinn mit nichten. Der Prophet rügt die Verstoßung der jüdischen Gattinnen durch ihre Ehemänner zugunsten der Ehe mit einer Heidin (vgl. V. 11), ein Unrecht, das auch die Priester zu begehen sich nicht scheuen. Er sucht die Gewissen der treulosen Gatten gerade durch den Hinweis aufzurütteln, daß das ein doppelt schweres Verbrechen ist, nachdem es sich um Ehegenossinnen handelt, mit denen uns der Gedanke an den gemeinschaftlichen Gott und gemeinschaftlichen Vater doppelt enge verbinden sollte. Der Satz

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