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Jeschurun · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · page 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Die böse Zunge. 213 Glieder von außen, du versteckt im Innern, ja ich habe auch mit zwei Mauern dich umgeben, eine aus Fleisch und eine aus Knochen למה יתן לך ומה יוסיף לך לשון רמיה was soll man dir noch geben, was noch für dich schaffen, du trügerische Zunge?! Warum mußt du reden?! So schweige doch! In den Sprüchen der Väter kommt der bekannte Satz vor כל ימי גדלתי בין חכמים ולא ״ .מצאתי לגוף טוב משתיקהMein ganzes Leben habe ich unter Weisen zugebracht, und habe für den Körper nichts besseres gefunden als Schweigen“. Man nimmt das Wort Körper gewohnlich in unbetontem Sinne. ״Ich habe für den Menschen nichts besseres gefunden als Schweigen.“ WTir möchten das Wort ״ לגוףfür den Körper“ betonen. Für den Körper, für das leibliche Wohlbefinden ist nichts zuträglicher als Schweigen. Alle religiösen und ethischen Gründe beiseite gesetzt — von all der Aufregung, von all dem seelischen Schmerz, allen schlimmen Folgen und Nachteilen, die den Körper aufreiben, bleibt man verschont, hat man zu schweigen gelernt. Und wenn schon geredet werden muß, — wenn das liebe Weib nicht schweigen kann, die Männer lassen es übrigens auch nicht daran fehlen, — gibt es denn keinen würdigeren Gegenstand als der Nächste, der gute Freund und Nachbar. Und wenn wir nicht von ernsten Dingen reden, so unterhalten wir uns doch von dem Beruf, von dem Hausstand, von den Neuigkeiten des Tages. Warum denn immer über die Schwächen des Nächsten, über seinen Aufwand, über sein Gebahren, das zeugt nur von einer niedrigen, einer kleinlichen Seele und schädigt letzten Endes nur den, der es ausspricht. Doch man erwidert wohl: Wir sind ja nicht so schlecht, wir verleumden doch nicht den Nächsten, aber wenn ihn ein Mißgeschick trifft, oder wenn sich eine Schwäche an ihm zeigt, oder wenn uns sein Wesen nicht behagt, dann sollen wir nicht darüber reden? Das ist ja so interessant, das gibt doch der Unterhaltung erst den rechten Reiz, und das ist doch nicht so schlimm, das ist ja in der besten Gesellschaft üblich. Nun, es ist nicht alles gut, was in der ״Gesellschaft“ in Übung ist. Wir empfangen einen Besuch und unser Mund strömt über 14*

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