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Jeschurun · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Die böse Zunge. 211 aber tötet sie nur in der Entfernung von 40—50 Ellen wie ein Pfeil? Daher heißt es שתו בשמים פיהם bis in den Himmel richten sie ihre Zunge. Unermeßlich, unabsehbar sind die Wirkungen der bösen Zunge. Wenn einer schlimme Reden führt, dann sagt Gott zum Gehinnom, zur Stätte der Strafe in der Unterwelt. ״Wir wollen ihn beide richten, du von unten und ich von oben, ich mit der Schärfe meiner Pfeile, du mit der Glut deines Feuers.“ (Jalkut zu Ps. 120.) Einst nimmt Gott die Völker, die Israel verfolgt und überliefert sie der Richtstätte und spricht zu ihnen: Warum habt ihr meine Kinder so gequält? Sie aber sagen: Unter ihnen waren solche, die einander verleumdet. Da ergreift Gott auch diese und überliefert sie der Richtstätte (Jalkut zu Ps. 140!2)י Und endlich die einzige Stelle in der שמנה עשרה, im dreimal wiederkehrenden Hauptgebet des Tages, die einzige Stelle, in der wir von uns allein sprechen in der Einzahl und nicht im Namen der Gesamtgemeinde, der Schluß des Achtzelmergebetes lautet אלהי נצר לשוני מרע ושפתי מדבר מרמה. Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen vor trügerischen Reden! Bedarf es denn aber der Nachweise aus Bibel und Talmud?! Erfahren wir es nicht selbst am eigenen Leibe, welch Weh und Schmerz die schlimme Rede zu bereiten vermag, wie sie den Keim des Mißtrauens legt zwischen den vertrauten Freunden, wie sie den Frieden untergräbt zwischen dem Mann und dem Weib, zwischen dem Bruder und Bruder, zwischen den Gliedern der einen Familie und der, die durch eine Heirat ihr neu verbunden ist. Es fließt heute nicht immer Blut bei einem Streit, aber ist Neid und Mißgunst, Haß und Rachsucht, Abscheu und Verachtung und all die schmutzigen Empfindungen, die mit ihren trüben und schlammigen Fluten die Seele durchwogen, wenn einmal üble Nachrede ausgebracht wurde, ist all der Unfrieden mit seinen Lastern im Gefolge, wie ihn die böse Zunge erregt, nicht schlimmer als die Schläge und Wunden, als die Schwertstiche, die sie nach Salomos Wort verursacht? 14

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