Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Grichon-Rätsel. 201 lag allerdings der Gedanke an eine wissenschaftliche Ausbeute sehr fern; glücklicherweise hatte sich ihnen aber als Gast in dem Dominikanerpater H. Vincent ein geschulter und auf dem Boden Palästinas erprobter Archäologe angeschlossen, der dieser Seite der Angelegenheit sein ausschließliches Interesse und seine Tätigkeit zuwandte, über deren Ergebnisse er sodann im Vorjahre in der Revue biblique internationale berichtete. Vincent hat ein ganzes Netz künstlicher Felskanäle im Ophel sichergestellt, die alle mit der Gichonquelle (Marienquelle) Zusammenhängen. Mit den schon früher bekannten hat Vincent ein System von vier Kanälen aufgedeckt und mit Hilfe von Tonscherben, Inschriften u. a. auch zu datieren versucht. Danach lief das Wasser der Gichonquelle in ältesten Zeiten unmittelbar in das Kidrontal, wo es wohl einen Teich bildete. Schon in sehr alter Zeit — Vincent meint, noch in der kanaanitischen Periode — wurde der Ophelkamin gegraben, ein Felsenkanal, der von der Ophelhöhe zuerst senkrecht nach Osten zu und dann horizontal zum Quellbassin führt. Dieser kaminartige Felsweg diente nicht sowohl Wasserleitungs־ zwecken, als er vielmehr im Falle einer Belagerung den Eingeschlossenen die Möglichkeit zum Wasser zu gelangen, eröffnete. — Zwei weitere Kanäle, die vermutlich von Salomo angelegt wurden, sind südwärts orientiert und dürften Wasser in die Gärten Salomos geleitet haben. — Der wichtigste ist der vierte, der Hiskiakanal, der S-förmig gewunden nach Westen führt und im Notfälle alles Wasser in die Stadt leiten konnte. — Dies in Kürze der Inhalt der Vincentschen Veröffentlichung, die durch eine Fülle von Einzelbeobachtungen, Maß- und Bichtungsfeststellungen von größtem Interesse ist. Auch nach dieser Feststellung bleibt vor allen eine große Frage. Angenommen Chiskiah habe diesen Kanal zu Verteidigungszwecken angelegt, um einerseits den Angreifern das Wasser abzuschneiden, anderseits den Belagerten die Wasserzufuhr zu sichern: weshalb die eigentümliche Form,