Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Gichon-Kätsel. 197 Wohltätigkeitsgelübde in andern Kapiteln): Da hätte man ja einen dicken Strich über alle diese skrupulösen religionsgesetzliehen Vorschriften ziehen können, durch die kurze Bemerkung, daß durch das eingeführte Kolnidre-Gebet alle Eide und Gelübde aufgehoben werden. Und weiter! Im Schulchan aruch (Choschen hamischpat 34,5) wird entschieden, daß, wer einmal einen falschen Eid geschworen, für jede Zeugenschaft untauglich ist; und er kann sich nicht damit herausreden, daß er es aus Irrtum oder aus Zwang getan hat. Wo bleibt da das Kolnidre- Gebet?! Kein einziger der Dezisoren ist auf den Gedanken geraten, daß der Falsch-Schwörer sich durch das Kolnidre- Gebet rechtfertigen könnte. Angesichts solcher Tatsachen wird jeder Wahrheitsliebende zugestehen, daß das Kolnidre-Gebet nur den Zweck hat, für den Fall, daß man unwissentlich und unabsichtlich irgendein Gelöbnis nicht gehalten hat. Verzeihung von Gott zu erwirken. Nie und nimmer aber entschuldigt dieses Gebet die vorsätzliehe Nichtbeachtung eines Gelübdes, und am allerwenigsten entbindet es von Eiden und Gelöbnissen, die man dem Nebenmenschen gegenüber ausgesprochen hat, wie dies ja in den Gebetbüchern beim Kolnidre-Gebet ausführlich vermerkt ist. (Schluß folgt.) Das Qichon-Räisel. Von Dr. Eduard Biberfeld, Berlin. (Schluß.) Eine präzise Situationsschilderung gibt zum erstenmal B. Neumann in seinem Werk ״Die heilige Stadt und ihre Bewohner״ (Hamburg 1877). Hier seine Worte: ״An der Westseite des Tales Kidron, etwa 1000 F. nördlich von der Mündung des Tyropoeon, liegt die obere Quelle Siloah in einer Höhle, die im massiven Felsen ausgegraben ist. Eine Treppe von 26 Stufen führt zu dem Becken, wo die Quelle 13*