Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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194 Der Eid der Juden. kommensurabel sind mit dem Eide und den Zusagen, die einem andern geleistet werden. Über unsere Gedanken und Vorsätze sind wir Herren und wenn wir uns bei Gott geloben, daß wir etwas tun oder unterlassen werden, so ist das etwas, was wir nur mit Gott abzumachen haben. Entbindet uns Gott von dem, was wir ihm für unsere eigene Person gelobt haben, so folgt daraus noch nicht, daß er uns auch unserer Pflichten gegen Dritte ledig halten will. Denn das ist nicht bloß eine interne Sache zwischen uns und Gott, sondern zwischen uns und unsern Mitmenschen. Unsere Pflichten gegen Dritte sind unserer Macht entzogen und wenn wir Gott zum Zeugen der Wahrheit und eines Versprechens einem Dritten gegenüber anrufen, so duldet die Rehgion keineswegs, daß der Dritte ohne gehört zu werden, sein Recht auf Wahrheit verliert. 5) Wenn Groß meint, daß auch der gelehrteste Kenner des Althebräischen nicht für die Richtigkeit der Übersetzung gutstehen könne, da es sich um Worte handle, die auch im Deutschen schwankende Bedeutung haben und daß deshalb jeder Streit darüber müßig sei, so ist der Schwerpunkt des Streites verschoben. Es wird ja nicht darüber gestritten, was unter Gelöbnis, unter Gelübde, unter Verzichtung, unter Verbindlichkeit, unter Bannformel, unter Eid oder Versagung zu verstehen ist, sondern es wird nur darum gestritten, ob man lediglich die für die eigene Person gegebenen Eide lösen kann oder auch die, bei denen ein anderer beteiligt ist. Meint Groß, aut die Worte ״für unsere eigene Person“ dürfe kein Gewicht gelegt werden, dies kann nur sprachlich konstruktive Form sein, denn schwören, geloben und Gelübde machen, kann man ja immer nur für seine eigene Person, so ist das mehr eines Sophisten als eines Juristen würdig. Gewiß schwört man immer nur für seine eigene Person. Aber es kommt darauf an, ob man sich selbst etwas gelobt oder zuschwört, oder ob man einem Gegner etwas beschwört. 6) Wenn Groß zum Schlüsse sagt: Ich habe wiederholt gesagt: Bei den Christen und den Gläubigen aller Religionen kommt Aberglauben und Blutglauben vor, bei den Juden eben