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Jeschurun · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Der Eid der Juden. 191 meisten anderen Fällen, in welchen die Eidrichtigkeit der Juden behandelt wird, um das vielerörterte ״Kolnidregebet“ — Gebet, welches Schütze nach antisemitischer Quelle, Eschelbacher nach dem ״Original“ (wo liegt denn das?) zitiert. Yor allem kann man, wie jeder Vergleich zeigt, nicht von einer ״Fälschung“, sondern nur von einer für den Sinn belanglosen Kürzung auf Seite Schützes sprechen. Weiter wird kein Mensch und auch der gelehrteste Kenner des Althebräischen für die Richtigkeit der Uebersetzung gutstehen können, da es sich um Worte handelt, die auch im Deutschen schwankende Bedeutung haben. Ob ״Gelöbnis“ — ״Gelübde“, ״Verzichtungen“ — ״Verbindlichkeiten“, ״Bannformeln“ — ״Eide oder Versagungen“, das kann nicht für heute gebräuchliche Sprachen, noch viel weniger aber für das uralte Hebräische also für das ״Original“ behauptet werden, und kennt man die genaue Bedeutung von Worten nicht, so ist jeder Streit darüber müßig. Die Hauptsache geht aber dahin, daß das Kolnidregebet unter allen Umständen gegen den Eid der Juden und nicht, wie oft behauptet wird, für ״einen hohen Grad von Gewissenhaftigkeit“ zeugt und deshalb von ihnen am besten nicht hervorgezogen wird. Ob das, was wir heute unter dem ״Eid“ verstehen, im Kolnidregebet vorkommt oder nicht, das wissen wir nicht, es könnte ja unter jedem der von Eschelbacher zitierten Worte: ״Gelöbnis“, ״Verachtung“, ״Verschwörung“, ״Bannformel“, ״Versagung“ zur Zeit der Schaffung des Gebets das verstanden worden sein, was wir heute einen *Eid“ nennen — aber wenn dies auch — ohne es beweisen zu können — in Abrede gestellt wird, so kann doch nicht geleugnet werden, daß von Gelobnissen geredet wird, die ״aufgelöst und erlassen“ sein sollen. Wenn nun auf christlicher Seite stets behauptet wird: ״Wer ein Gelöbnis, also ein dem höchsten Wesen gemachtes Versprechen auflösen kann, der braucht doch auch ein einem Menschen gegebenes Versprechen nicht zu halten“ — so kann gegen diese Argumentation nichts einge- ,wendet werden. Auf die Worte ״für unsere eigene Person“ darf kein Gewicht gelegt ,werden; dies kann nur sprachlich konstruktive Form sein, denn schwören, geloben und Gelübde machen, kann man ja immer nur für seine eigene Person. Ich habe wiederholt gesagt: ״Bei den Christen und bei den Gläubigen aller Religionen kommt Aberglauben und Blutglauben vor, und bei den Juden eben auch“ — und dasselbe sage ich auch hier: ״falsche Eide kommen bei allen Völkern und Rassen vor, und bei den Juden auch“ — das ist eine pandemische Erscheinung und in unserem Falle: das Kolnidregebet beweist nicht ausnehmende, bessere Qualifikation der Juden. H. Groß.

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