Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Der Eid der Juden. Wie man sehe, verändere und verfälsche die antisemitische Quelle das Kolnidre in mehrfacher Hinsicht. Sie mache aus dem Versöhnungstage des Judentums einen Beschwörungstag! Die wichtigsten Worte des Originals, die Worte ״al nafschathana“, die die Möglichkeit der Aufhebung auf die Gelübde und Versprechungen ein schränken, die wir ״uns für unsere eigene Person“ gäben, lasse sie weg. Aus den ״Verzichtungen, die wir uns versagen“, von denen das Gebet spricht, mache sie ״Verbindlichkeiten, die wir Zusagen“. Ebensowenig brauche die ״Lösung der Gelübde“ (Hatarath nedarim) das Licht zu scheuen. Sie sei ein Seitenstück zum Kolnidregebet. Während dort die ganze Gemeinde ihr Gelübde bereue, werde bei Hatarath nedarim im Einzelfall jemand von seinem Gelübde entbunden, sofern er es bereue oder die Ausführung des Gelübdes, etwa die geplante Wallfahrt usw. unmöglich sei. Eschelhacher weist mit Hecht darauf hin, daß Entscheidungen wie die von Hellwig und Schütze vertretenen geeignet seien, die ältesten und verjährtesten Vorurteile im Gemüte des Richters wieder aufleben zu lassen und ihn dazu führen, daß er nicht etwa den einzelnen Fall ohne Voreingenommenheit prüft, sondern von vornherein aus unrichtigen und ungerechten Voraussetzungen, die der Religions- und Hassenhaß geschaffen haben, allgemeine und ungerechte Urteile fälle. Dem Mißtrauen gegen den Eid der Juden entgegenzutreten, verlange darum nicht allein die Sache des Judentums, sondern ebensosehr die der objektiven vorurteilslosen Rechtsprechung. Zu diesem Eschelbacherschen Artikel hat der Herausgeber des Archivs Prof. Dr. Groß eine Anmerkung gebracht, die ich wörtlich zitieren muß, weil ich trotz jahrelanger Gewöhnung im Referieren befürchten muß, durch ein bloßes Referat ihrem Ton und Inhalt nicht gerecht zu werden. Diese Anmerkung lautet wörtlich wie folgt: Anmerkung des Herausgebers. ״Ich bringe diese Ausführungen über dringendsten Wunsch des Herrn Verfassers, obwohl ich glaube, daß die Sache am besten weiter unbesprochen bliebe. Der ganze Streit dreht sich hier und in den