Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Halacha und die Herzenspflichten.!85 entspringt, so die Krönung der Erfüllung der Gebote, der schönste und charakteristische Zug an ihr die keusche Zurückhaltung. (Ein Gedanke, der ja übrigens auf Micha 6,8 והצנע לבח עם אלקך (wandle in Keuschheit, in Bescheidenheit vor deinem Gotte) zurückgeht. Auf diesen Gedanken, auf die Charakterisierung der wahren Frömmigkeit als צניעות läuft die ganze Sentenz aus, wie die Schlußworte beweisen: לא יהא אדם ער בין הישנים ולא ישן בין העירים ולא בובה בין השוחקים ולא שוחק בין הבוכים ולא יושב בין העומדים ולא עומר בין היושבים ולא קורא בין השונים ולא שונה בין הקוראים בללו של דבר אל ישנה ארם ממנהג הבריות. .... man weine nicht in fröhlicher Gesellschaft, und sei nicht lustig, wenn die anderen weinen .... man treibe nicht Bibellektüre, wenn die anderen lernen, und umgekehrt, kurz man handle nicht anders als die Mitmenschen. Sodann wird aber diese Bezeichnung auch dort gebraucht, wo es sich nicht im Geringsten um diese Tugend handelt, sondern um einen Zug von Herzensfrömmigkeit, die über das eigentlich Gebotene hinausgeht. Und zwar ebenso, wo es sich um מצות שבין אדם למקום Pflichten gegen Gott handelt, wie in Pesachim 26b: והצנועים מפשילין לאחוריהם במקל. Sie suchten, um nicht auch dort, wo es erlaubt ist שעטנז anzuziehen, wenn es nur zur Probe für den Käufer geschieht, das zu vermeiden. Wie auch in der Betätigung der Pflichten gegen den Nebenmenschen, wie in Maasser Scheni V 1, Baba Kama 69 a. Dort werden die Zeichen angegeben, welche an Feldern und Gärten angebracht und für die Wanderer bestimmt waren, damit sie nicht irrtümlicherweise verbotene Früchte, wie ברם רבעי genießen. Diese Zeichen waren aber nur dann anzubringen, wenn die Früchte ohnedies, wie im ״שביעית, dem Erlaßjahre, jedermann zum Genüsse freistanden. Zur anderen Zeit galt: הלעיטהו לרשע ״ וימותLaß den Frevler schlingen, mag er dann sterben“. Doch הצנועים מגיחין את המעות ואומרים בל הנלקט יהא מחולל על המעות הללו, Die Frommen suchten auch den, der es um seiner Taten willen nicht verdiente, vor der Sünde, die sie verhüten konnten, zu schützen. Vgl. auch Demai VI 5: וצנועי ב״ה היו עושין בדברי ב״ש. Aus dem Jeruschalmi z. St. geht auch hervor,