Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Die Halacha ־and die Herzenspfüchten. der Talmud weis en zu entnehmen. "Wir wollen hier an einer Beihe von Beispielen, deren Zahl durch den uns zur Verfügung stehenden Baum eine Beschränkung erfahren muß. zeigen, welches Licht auf die Herzenspflichten, wie sie empfunden und geübt wurden, aus der halachischen Diskussion fällt. Wir nehmen hier Herzenspflichten — nach dem Vorbild B. Beeliais ibn Pakuda — in dem doppelten Sinne, daß es sich bei ihnen um die Ausbildung der feinen Nuancen in der Erfüllung der Pflichten gegen den Nebenmenschen handelt und um die Glut der Empfindung, die Inbrunst der Gefühle bei der Hingabe an Gott und seinen Willen. I. Das Wesen der Frömmigkeit. Es ist bekannt, welches Zerrbild das Neue Testament und die christliche Theologie aus den Pharisäern gemacht haben. Die Lehrer der Mischna erscheinen als Männer, die mit ihrer Frömmigkeit prunken und die Pflichtenübung zur Schau tragen. In Wahrheit wurde aber das Wesen der Frömmigkeit in bescheidener Zurückhaltung gesehen. Und daß dies nicht bloß theoretisch ausgesprochen wurde, sondern tief im Bewußtsein der Talmudweisen und ihrer Zeit wurzelte, dafür liegt ein klassischer Beleg vor in der Anwendung des Wortes צנועים auf diejenigen, die es mit ihren Pflichten besonders genau nehmen. Die Grundbedeutung ist noch allgemein festgehalten in dem Gegensatz von בצנעה und ״ בפרהסיאim Geheimen“ und ״öffentlich“, in der Bezeichnung der Keuschheit durch צניעות und auch in Stellen wie Joma 39a: הצנועים מושבין את ידיחם והגרגרים נוטלין ואוכלין, die an bescheidene Zurückhaltung Gewöhnten pflegten bei der Verteilung der Schaubrote auf ihren Anteil zu verzichten, weil es durch die große Zahl der Berechtigten leicht zu unliebsamen Szenen kam. Der Übergang ist dann in einer Sentenz gegeben, wie Derech Erez Suta V: הדר תורה הבמה הדר הבמה עטה הדר עטה יראה הדר מצוה צניעות, wie der Schmuck, die eigentliche Krönung־ des Wissens die Weisheit, die der Weisheit die Demut, und die Demut nur dann wertvoll ist, wenn sie aus der Gottesfurcht