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Jeschurun · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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180 Die Halacha und die Herzenspffichten. ohne weiteres einen solchen Satz weder für ein besonderes ethisches Empfinden des betreffenden Tanna oder Amora in Anspruch nehmen, ebensowenig freilich aus ihm etwas gegen das zarte Empfinden oder die Herzensfrömmigkeit des Tradenten beweisen wollen. Einige Beispiele mögen das Gesagte näher illustrieren. In Kethuboth 53 a heißt es: .מוחלת כתובתה לבעלה אין לה מזונות ״Eine Frau, die ihrem Manne gegenüber auf die Zahlung des im Ehekontrakt Bedungenen verzichtet, hat auch kein Anrecht auf die Gewährung des Unterhalts während ihrer Witwenschaft.a Dazu bemerkt R. Chisda: אי לאו דאמרת לי משמיה דגברא רבה אמינא משיב רעה תהת טובה לא ימיש רעה מביתו. Hättest du es mir nicht im Namen eines großen Mannes gesagt, so würde ich darauf das Bibelwort anwenden: ״Wer Gutes mit Bösem vergilt, aus dessen Hause weicht nie das Unglück.״ Trotzdem denkt er nicht daran die Entscheidung abzulehnen, sein persönliches Empfinden tritt vor der Tradition völlig zurück. Ferner: Es ist bekannt, daß aus dem Satze אתם קרוים אדם der juden- und talmudfeindliche Haß immer neue Nahrung zieht, wie aus dem damit verwandten עם הדומה לחמור. Aus ihnen soll die ganze Verachtung des Judentums gegen die nichtjüdische Welt sprechen, daß es den Heiden nicht als Menschen ansehe und dem Tiere gleichstelle. Nun heißt es in Berachoth 25 b: נכרי ערום אסור לקרות ק״ש כנגדו מאי איריא נכרי אפילו ישראל נמי ישראל פשיטא ליה דאסור אלא גברי איצטריבא ליה מהו דתימא הואיל וכתיב בהו אשר בשר המורים בשרם אימא בחמור .בעלמא הוא קמ״ל דאינהי נמי מיקרו ערוה דבתיב וערות אביהם לא ראו ״In Gegenwart eines unbekleideten Nichtjuden darf man das Sch’mah nicht lesen,״ lautet eine Halacha. Weshalb ist denn nur ein Nichtjude genannt? Das Gleiche gilt doch von einem Israeliten! Die Antwort: Bei einem Israeliten ist das selbstverständlich. Bei einem Nichtjuden aber könnte ich der Meinung sein, daß sie nach dem Schriftvers in Ez. 23,20 dem orientieren, daß sie keine Begründung in unserem talmndischen Schrifttnm finden.

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