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Jeschurun · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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176 In der Hermannshölile. demütig auf sich wirken lassen müsse, um seine Erhabenheit nicht zu stören. Da schaut sie uns stumm-beredt an, die märchenhafte Architektonik der Tropfsteingebilde. Hier wie ein Wald von schlanken, geraden Bäumchen, dort ein Felsvorsprung wie ein Tisch mit reizenden Kandelabern. Hier eine Feengrotte mit phantastisehen Tierbildungen, dort eine Decke mit mächtigem Kronengehänge und mit unzähligen Lampen geschmückt. Hier ein Erker voll regelloser Ornamente, dort eine kleine Kapelle mit plastischen Figuren, und dort wieder ein langer, langer Spalt mit zierlichen, feinen Kristallen geschmückt, der in den Tiefen verborgene Schmuckkasten der keuschen Natur. Alles bedeckt mit Tau- und Wassertropfen, die im Lichte wie Edelsteine flimmern. Dazwischen verstreut die Knochen der Höhlenbären, die hier einst eine Zuflucht vor den Menschen suchten und nun eine Grabkammer voll Ernst und Frieden gefunden haben. Unten rauscht ein Quellfluß der Bode in wundersamer Melodie. Wir sollen nicht vergessen, daß sie sich den Zugang zu dieser Höhle zuerst gegraben und in ihrem Wasser das Baumaterial herangeschafft, aus denen die Stalaktiten sich formen konnten. מה רבו מעשיך ה' kommt es \on den Lippen unseres Direktors. מאד עמקו מחשבותיך tönt es aus den Reihen zurück. ״Ihr habt recht, Kinder, sagte ein russischer Raw, der sich uns angeschlossen hatte, ״ ,אין צייר כאלקינוes gibt keinen Künstler wie unsern Gott!״ Jetzt begann der uns zugeteilte Führer seine Erklärungen. Kein Cicerone, der auswendig gelerntes Zeug herleiert. Er schien etwas zu verstehen. Er sprach natürlich, eindringlich. Wie jemand, den der Zauber dieses Anblickes selbst einmal durchbebt hat. Das Wasser, so sagte er, das hier eingedrungen, hatte Kalkstein gelöst mitgeführt. Wie im siedenden Topfe sich der Kesselstein niederschlägt, weil die im Wasser enthaltene Kohlensäure entweicht und viel Flüssigkeit beim Kochen verdunstet, so kam auch hier das an den Decken und Böden rieselnde Wasser zur Verdunstung und verlor seinen Kohlen- Säuregehalt. Da blieb der Kalkstein zurück, im regellosen Zufallspiel diese Zapfen und Stäbe erzeugend. Noch immer

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