Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Menschenopferkiilt xnid Judentum. Ben Hinnom: ״Sie bauten die Höben des Tofet im Tale Ben Hinnom, um zu verbrennen ihre Söhne und Töchter durchs Feuer, was ich nicht befohlen habe und mir nicht in den Sinn gekommen ist; darum siehe, Tage werden kommen, spricht Gott, da wird es nicht mehr Tofet und Tal ben Hinnom heißen, sondern Tal des Mordens; die Leichen dieses Volkes werden dort den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes zur Speise dienen und Niemand wird sie verscheuchen“ (Kap. 7). Ezechiel, der Prophet des Exils geißelt gleichfalls mit düsteren Worten diese Verirrung seines Volkes, das ״die Kinder durch’s Feuer führend sich verunreinigt mit all seinen Götzen bis auf diesen Tag“ (Kap. 20,31: auch Kap. 16 und 23). Aber hier ist der große Wendepunkt in der Beligionsgeschichte des israelitischen Volkes. Im Schmelztiegel Babylons wird es zum zweitenmal geläutert, wie dereinst im eisernen Ofen Ägyptens, um fortan eine Gott erkennende und bekennende Nation zu sein, und fortan, seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert, in die Vielgötterei des Heidentums nicht mehr zurückzufallen. Das Buch, das jahrhundertelang seinem Aug’ und Herzen entschwunden war, das Gesetz Mosis, wird nunmehr sein geistiger Besitz und sein Bekenntnis; die Gottesidee, wie sie Mose und all die anderen Propheten erfaßt und verkündigt hatten, wird von ihm erfaßt, der Gott der Gerechtigkeit, der Gott der Liebe, der Gott der Heiligung wird nun endlich sein Gott, um sein Gott zu bleiben. Es kommen die Jahrhunderte, da es erschauernd geht durch Vorderasiens und Europas Heidenweit — die große Götterdämmerung, da der Götterberg des Nordens und der Olymp des Südens sich entvölkern und all’ die Spukgestalten und Greuelwesen der polytheistischen Phantasie in nichts zerrinnen: das Judentum, äußerlich und national mehr und mehr geschwächt, ist innerlich stark und groß und fest geworden, das Volk der Schrift geworden, bereit und fähig, das Gute und Wahre der untergehenden Heidenwelt in sich aufzunehmen und mit dem Ewigkeitsgehalt seiner Gottes- und Sittlichkeitsidee zu durchdringen; bereit und fähig auch, die neue Welt aus sich herauszugebären, über die, ob sie sich auch nachmals in eine