Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschenopferkult und Judentum. 143 wieder, bei denen sieb ja schon in der vorhomerischen Periode starke phönizische Einflüsse auf Lebensweise und religiöse Gedankenwelt geltend machen. Agamemnon muß sein ältestes Kind schlachten, bevor er die Ausfahrt von Aulis antritt, Polyxene muß am Grabe des Achill verbluten, als man sich zur Heimfahrt rüstet. Von den übrigen Mittelme erländern sind Kreta und Phodus zu nennen, wo alljährlich im 6. Monat ein wohlgemästeter Mensch zu Ehren des Kronos verblutete; Cypern, wo man dem Zeus, Lesbos, Tenedos und Chios, wo man dem Herakles und dem Dionysus mit dem Beinamen der ״Zerfleischende“ — dem letzteren unter entsetzlichen Greueln — Menschenopfer darbrachte: Athen, wo am Fest der alljährlich zwei Menschen, mit Feigen behängen, zur Sühne für die übrigen und zur Peinigung der Stadt ver* brannt wurden; Jonien und Arkadien, von denen die gleichen Opfer aus dem 6. vorchristlichen bzw. 2. nachchristlichen Jahrhundert bezeugt sind: das südliche Gallien, wo im heutigen Marseille, 600 v. von den Phöniziern begründet, der Brauch bestand, bei Pest einen Menschen zu mästen, im Kleiderschmuck durch die Stadt zu führen und dann von einem Felsen herabzustürzen — während Cäsar im Bellum Gallicum berichtet, daß die Gallier ungeheure, aus Puten geflochtene Götterbilder mit lebenden Menschen anfüllten und anzündeten; und endlich Spaniens phönizische Kolonien. Gades und Numantia, wo der Kronoskult offiziell eingeführt war, und noch Pompeius Scheußlichkeiten mit ansah, über die wir den Schleier der Vergessenheit hüllen wollen. (Schluß folgt.)