Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Menschenopferkult und Judentum. Israels im Osten, haben wir in der Bibel selbst ein klassisches Dokument, den König Mesa von Moab, von dem das 2. B. d.K. C. 3 berichtet: ״Als der König von Moab sah, daß ihm der Streit zu stark wurde, . . . nahm er seinen erstgeborenen Sohn, der König werden sollte an seiner statt, ויעלהו עלה und opferte ihn als Brandopfer auf der Mauer; da kam großes Entsetzen über Israel, und sie zogen von ihm ab und kehrten zurück ins Land/1 Mit grauenhafter Deutlichkeit haben wir hier das Motiv des Menschenopfers, seine Ausführung und seine Wirkung, die den unseligen, verblendeten Vater und Mörder in seinem Wahn, ein gottgefälliges Werk vollbracht zu haben, sicher noch bestärkt hat. — Eür das alte Kanaan haben die neuesten Aus־ grabungen der Engländer und Deutschen in Palästina die biblischen Hinweise auf die kanaanitischen Menschenopfer deutlich bestätigt. So grub Sellin in Ta'annek, nördlich von Samaria, einen Felsaltar aus, der von einigen 20 in Krügen befindlichen Kinderleichen umgeben war; ebenso fand er Skelette quer über den Fundamentsteinen der alten kanaanitischen Westburg und auch bei Privathäusern in Ta’annek, womit also das Menschen-Bau opfer der Kanaaniter augenscheinlich bezeugt ist. In Gezer machte die englische Expedition unter Stewart Macalister unter dem großen, dort aufgedeckten altkanaanitischen Astartetempel (der auf 1500—1300 zurückgeht) die gleichen Funde in noch größerem Umfange. — Phönizien und seine Kolonien, besonders Karthago, rücken weniger durch heimatliche Inschritten, als durch Zeugnisse aus Griechenland und Rom, mit denen sie sich ja im Lauf der Geschichte kulturell und kultuell aufs mannigfachste berühren, in die historische Beleuchtung hinsichtlich der Menschenopfer. In kritischen Lagen des Staates hatten in Phönizien die Könige und Vornehmen die Verpflichtung, durch den Opfertod eines ihrer liebsten Söhne den erzürnten Gott Kronos zu beschwichtigen. Bei der Belagerung Karthagos durch Agathokles 350 v. d. g. Z. wurden 200 Knaben aus dem vornehmsten Adel geopfert. Das S e e ־ Menschenopfer, das die Phönizier unter den vom Stapel laufenden Schiffen darbrachten, um sie gegen den Sturm zu feien, kehrt bei den Griechen