Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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140 Menschenopferkult und Judentum. Daß das Blut geopferter Kinder bei den Ägyptern als Heilmittel gegen den Aussatz Verwendung fand, bestätigt Plinius. und es ist bemerkenswert, daß im jüdischen Schrifttum sowohl die Pentateuchparaphrase des Jonathan ben Usiel. wie der Midrasch Rabba die vom Pharao des Auszugs angeordnete Tötung der israelitischen Künder dahin erklären, der Ägypterkönig sei vom Aussatz befallen gewesen und habe das Blut der israelitischen Kinder zu seiner Heilung verlangt, um sich darin gesund zu baden. Vom Nil wenden wir uns zum Euphrat, zu den assyrischbabylonischen Reichen. Hat sich am Nil das werdende Israel mehrere Jahrhunderte lang in heidnischer Umgebung befunden und auf der einen Seite seine Gegensätzlichkeit herausgebildet, auf der anderen bestimmte Eindrücke jedenfalls auf sich wirken lassen, so ist es Assyrien und Babylon gegenüber das volkgewordene Israel, das infolge seiner Eingliederung in das mächtige Weltreich am Euphrat und Tigris in die nächste Berührung mit heidnischer Kultur und Religion gleichfalls Jahrhunderte lang gelangte. Haben uns in Ägypten Schieferplatten und Grabgemälde vom Menschenopferkult erzählt, so geben uns für Assyrien und Babylon die uralten Siegelzylinder die entsprechenden Nachrichten. Solche Siegelzylinder aus der Zeit von 2500 — 2000 stammend und von unbezweifelbarer Echtheit, zeigen uns folgende Szenen: vor dem Sonnengott Samas steht ein Altar mit Pflanzenopfern, rechts und links zwei als Priester charakterisierte Männer, zwischen denen ein fast nackter Mensch kniet, auf den beide mit wuchtigem Schlage ausholen. Ferner: Ein Priester erhebt das große Opfermesser zur Schlachtung eines Kindes, während ein anderer mit der Schale in der Hand dem sitzenden Gott eine Libation spendet. Einen deutlichen Hinweis auf die assyrisch - babylonischen Menschenopfer haben wir in der H. Sch. selbst — im 2. B. d. K. 17, 30 ff., — wo von den, nach dem Fall des Reiches Israel nach Samaria verpflanzten, assyrisch - babylonischen Kolonisten die Rede ist, und wo es heißt: ״Die Sepharviter verbrannten ihre Kinder im Feuer dem Adrammelech und Anammelech, den