Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschenopferknlt und Judentum.!39 punkt vereinigen. Halten wir zunächst den Blick auf das bedeutende Kulturland Ägypten gerichtet, so tritt uns beispielsweise als eines der ältesten und unbedingt einwandfreien Zeugnisse entgegen die im Jahre 1898 in Hierakonpolis ausgegrabene große Schiefertafel des Königs NarMer aus der zweiten thinitisehen Dynastie. Sie zeigt auf der einen Seite den König, wie er einen vor ihm knieenden, fast nackten Menschen niederschlägt, hinter ihm hält der Diener das Weihgefäß; auf der anderen Seite steht der König mit einem Priester vor einer Doppelreihe von zehn geköpften Feindesleichen, deren Arme fest an den Leib geschnürt sind, während die abgehauenen Köpfe zwischen ihren Beinen liegen. — In gleich anschaulicher Weise bezeugen die Grabdenkmäler Seti’s I. und anderer Könige der 19. Dynastie (1330—1260) den Menschenopferkult Ägyptens. Und während man zu Abydos in Oberägypten die rothaarigen Libyer opferte, mußte man in Unterägypten mit den blonden Seeräubern und Reisenden aus Griechenland vorlieb nehmen, die irgendein Geschick an die Küste verschlagen hatte; im 14. und 15. Gesang der Odyssee, in den Berichten, die der heimgekehrte Odysseus von seinen Schicksalsgenossen erhält, hat uns Homer die Kunde davon auf bewahrt. Aber auch die historischen Schriftsteller der Griechen und Römer bestätigen die ägyptischen Menschenopfer mit manchen bemerkenswerten Einzelheiten. Daß die Ägypter besonders rote Menschen als Opfer geschlachtet und in Heliopolis lebendig verbrannt haben, bezeugen Diodor und Porphyr; und Prokop berichtet von Menschenopfern, die auf der Nilinsel Philä für Isis, Osiris und den Sonnengott dargebracht wurden; ja noch zur Zeit des Kaisers Theodosius, um 390 n. d. g. Z., fand man, nach dem Kirchengeschichtsschreiber Rufinus, im Innersten des Serapistempels in Alexandria abgehauene Kinderköpfe mit vergoldeten Lippen. — Von den Bauopfern der alten Ägypter, die man zur Bewachung und zum Schutz der Wohnungen, besonders bei Tempeln und öffentlichen Bauten dargebracht, berichtet Plutarch, daß man dazu Menschen und Tiere von roter Farbe auswählte, um mit ihrem Blute die Fundamente des Baues zu besprengen.