Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Menschenopferkult und Judentum. Menschenopferkult und Judentum. Von Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal, Cöln. Nicht das Gute in seines Wesens tiefstem Grund, nicht den treuen Freund und erbarmungsvollen Vater sieht die ursprüngliche Vorstellung des heidnischen Menschen in Gott und den Göttern. Das Grauen vor den Schrecken einer in ihren Ursachen und Wirkungen unerkannten Natur verdichtet sich bei ihm zu der Vorstellung von unheimlichen, übermenschlichen Mächten, die den Menschen hassen und verfolgen, in seinem Glück ihn beneiden und an seinem Leid sich ergötzen, die man darum versöhnen und in guter Laune halten muß, um an ihrem Grimm nicht zugrunde zu gehen, bwpa bsoüs 7:518*81. Geschenke vom wertvollsten Besitz des Naturmenschen, die ersten und besten Früchte seines Feldes, die schönsten Tiere seiner Herde — Geschenke aber auch, wenn das alles fruchtlos geblieben ist, vom Allerkostbarsten, das die Erde trägt, vom Menschen selber, welcher, der Götter Zorn und Rache hingeopfert, mit seinem Blute diese Zornesglut dämpft und von den Überlebenden abwendet. I. In jenem Teile der Welt, der, um das heutige Palästina gruppiert, die Geburtsstätte der ältesten Kulturen und Religionen und der Ausgangspunkt für die Geschichte der Menschheit geworden ist, im L'änderkomplex zwischen Nil und Euphrat, spielt das Menschenopfer1) in den religiösen Vorstellungen der dort ansässigen Völker durch Jahrtausende hindurch eine entscheidende Rolle, als eine Zentralidee, in der sich die mehr oder minder geklärten Triebe und Gedanken wie in einem Knotenrj Vgl. dazu die in Sammlung des historischen Materials vorzügliche Arbeit von P. Dr. Evaristus Mader, Die Menschenopfer usw., Biblische Studien, 14 Bd., Freiburg i. B. 1909. Auf sie gehen die folgenden geschichtlichen Hinweise in der Hauptsache zurück. Auch ihr apologetischer Teil ist eben so gründlich-wissenschaftlich wie lehrreich, wenn auch den Verfasser seine christliche Grundanschauung dem jüdischen Gottesbegrift nicht vollkommen gerecht werden läßt.