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Jeschurun · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Das Thorastu. dium und die Frauen. 133 Um so auffallender ist der Ausspruch, eines Mischnalehrers über das Studium der Frauen. Er warnt geradezu die Väter davor, ihre Töchter in — der Thora zu unterrichten. Wenn einer seine Tochter Thora lehrt, so ist es, als ob er sie ״Unsittlichkeit“ (תפלות, vgl. Raschi) lehrte. ר״ אליעזר אומר כל המלמד בתו תורה כאלו1 * *) למדה תפלות (סופה פרק ג' מ״ד). In einem Vortrage über die soziale Stellung des Weibes bei den antiken Völkern, wies vor kurzem der Vortragende, ein österreichischer Gelehrter, auf diese Stelle hin und kam zu dem sonderbaren Schlüsse, daß ״bei aller Achtung, die das Judentum dem Weibe zolle, die Rabbinen bemüht waren, die Frauen vom Studium fernzuhalten. Die Vertiefung in das Studium des Gesetzes sei eine zu starke Zumutung für den weiblichen Geist, zudem auch unverträglich mit der Bewahrung der weiblichen Schamhaftigkeit(!). Andere Rabbinen behaupteten geradezu: die Weiber seien von leichtsinniger Art, und die geistige Ausbildung sei für sie gefahrbringend.“ Es ist natürlieh hier nicht der Ort, gegen den Vortragenden und seine Ausführungen zu polemisieren, zumal Schreiber dieses ihm die gebührende Antwort nicht schuldig blieb. Wie falsch seine Behauptungen sind, geht am besten aus seiner Bemerkung hervor, daß ״um die Zeit der Entstehung des Talmuds es manche Rabbiner gegeben hätte, die es für gut fanden, Moses zu übertrumpfen und ihre Weisheit gegen die seinige zu setzen*4. Man braucht nicht erst ein hervorragender Talmudgelehrter zu sein, um zu wissen, daß es nie einen Rabbiner (d. h. einen Mischna- oder Talmudlehrer) gegeben, der es gewagt hätte, ein mosaisches Gesetz aufzuheben. Um so schwieriger erscheint aber der Ausspruch R. 1j In manchen Ausgaben fehlt das Wörtchen כאלו (vgl. מסורת הש״ם z. St.), wonach das Studium der Thora einem Studium der Unsittlichkeit gleichkäme! Auch dem Talmud lag diese Lesart vor und er mildert sie eben durch die Hinzufügung des Wörtchens כאלו. Maimonides nimmt der Stelle dadurch die Schärfe, daß er in seinem Kommentar תפלות mit דברי הבאי ודברי משלים erklärt. Man lehre die Frau damit Scherz und Dichtung. Die Schwierigkeit der Kontroverse zwischen R. Elieser und R. Josua hebt er dadurch, daß er auch פרישות in des Letzteren Worten als פרוש מן העברות nimmt.

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