Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■ו WH11 mr ׳■MgMrapfiuMmBnBBs^ina^rTm.tnatniirTrwMi Zur Charakteristik der Weisen des Talmud. 125 Thora. Nach Wahrheit streben, das Wahre erkennen wollen, das kennzeichnet unsere alten Weisen, das ist es, was sie allen Scharfsinn aufbieten ließ, die ihre Diskussionen so erschöpfend und für uns, die Leser, so anregend und geisterfrischend gestalten. Sie wollten Wahrheit, da mußte in die tiefsten Winkel hineingeleuchtet, da durfte nichts verdunkelt, Klarheit mußte geschaffen werden, denn es handelte sich ja um die heiligste Angelegenheit des jüdischen Volkes, um Erkenntnis der Thora und die praktische Betätigung ihrer Vor- Schriften. Wer aber nach Wahrheit strebt, der muß frei sein von Rechthaberei und Eigendünkel, und in dieser Beziehung waren und bleiben unsere alten Weisen für alle Zeiten vorbildlich. Davon überzeugen wir uns, wenn wir suchen, sie in ihrem Verkehr mit anderen kennen zu lernen und sehen, wie bei aller Achtung vor unsern Großen der Vorzeit, sie mit ihrem Urteil über deren Verfehlungen gegen die Wahrheit nicht zurückhalten. Das Judentum kennt keine Menschenvergötterung und keinen Menschenkultus, die Thora hat es vor derartigen Verirrungen geschützt. Unsere großen Männer der Bibel sind Menschen mit menschlichen Schwächen, die Bibel selbst läßt sie nur als solche erscheinen. Und das ist gut so, fleckenlose Engel könnten wir nicht als groß und tugendhaft verehren, wer nicht sündigen kann, für den ist das Sichenthalten von der Sünde kein Verdienst. Wenn nun die Thora uns Vorgange aus dem Leben unserer Vorfahren erzählt, ganz so, wie sie sich abgespielt, ohne besondere Bemerkungen daran zu knüpfen, so wissen unsere Weisen durch feine Beobachtung den versteckten Tadel, den die Schrift oft nur durch ein Wort anmerkt, ans Licht zu ziehen und es als Morallehre zu verwerten. Jakob hatte, selbst ängstlich vor diesem Schritte, seinen Vater getäuscht und sich für Esau ausgegeben. Die Schrift gebraucht für diese Handlung den harten Ausdruck במרמה. Esau bricht, wie er von der Täuschung erfährt, darüber in bittere Klagen aus, und hier setzen unsere Weisen mit der 8*