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Jeschurun · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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126 Zur Charakteristik der Weisen des Talmud. Bemerkung ein: זעקה אחת הזעיק יעקב לעשר דכתיב כשמוע עשו את דברי אביו ויזעק זעקה גדולה ומרה והיכן נפרע לו בשושן הבירה שנא' ויזעק זעקה גדולה ומרה עד מאד. Zu einem Aufschrei hat Jakob dem Esau Veranlassung gegeben, wie es heißt: Als Esau die Worte seines Vaters hörte, da schrie er laut bitterlich auf; und wo wurde dieses vergolten? In der Hauptstadt Susa, denn es heißt: Er (Mardochai) schrie furchtbar laut und bitterlich auf (Ber. B. 67, 41). Die Wahrheit war verletzt; die Weisen nehmen nun die Gelegenheit wahr, auf die furchtbaren Folgen hinzuweisen, zu zeigen, daß die Verletzung der Wahrheit nicht ungesühnt bleibt, so daß aus diesen Folgen die Größe des Unrechts ermessen werden kann. Ein anderes Beispiel. Jakob wurde von Laban getäuscht, der ihm statt der Bahel die Lea zuführen ließ. Er beklagt sich, so malen die Weisen den Vorgang aus, bei seiner Frau, daß auch sie ihn getäuscht, indem sie ihm geantwortet, da er sie mit Bahel angeredet, sich also für Bahel ausgegeben habe. Darauf antwortet sie: היה צווח p אית ספר דלית לי' תלמידים לא ״ .לו אברך עשו ואת עני לי,Gibt es denn einen Gelehrten (?), der keine Schüler hätte? Hast du denn nicht auch deinem Vater geantwortet, als er dich ״Esau“ anredete?“ (Ber. B. 70, 19). ״Wer andere täuscht, darf sich nicht beklagen, wenn er getäuscht wird“, wollen unsere Weisen uns lehren, wenn sie Lea mit obigen Worten Jakob den gemachten Vorwurf der Unwahrhaftigkeit zurückgeben lassen. Diese Empfindlichkeit gegen Unwahres, wie sie sich hier bei den Weisen des Talmuds zeigt, die für die Hochgestellten keine andere Moral gelten ließen als für die Niedriggestellten, war auch für ihr eigenes Tun ihnen Lebensregel, an sich selbst stellten sie vor allem den Anspruch, wahr zu sein. Die Lehre aus dem Tana d’be Elijahu, die' sie als wertvolles Büstzeug für das tägliche Leben uns in das Morgengebet einschalteten, gab ihnen die Bichtlinie für die eigene Lebensführung: לעולם יהא אדם ירא שמים בסתר ומודה על האמת ודובר אמת בלבבו. Gottes- ף Man vgl. hierzu Sams. Raph.Hirsch, Commentarzu l.B.M. Kap. 27.

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