Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Zur Charakteristik der Weisen des Talmud. Wie hätte es aber Hizqia wagen können, mit der Ab- Schaffung der Bämöth die im ganzen Lande bisher bestehenden Kultusverhältnisse so gewaltig zu erschüttern ־und durch deren Beseitigung die dort wirkenden Bämöthpriester um Amt und Brot zu bringen, wenn ihn nicht ein Thörägesetz dazu legitimiert hätte, welches das Bestehen der Bämöth für unerlaubt erklärte, d. h. das Deuteronomium? Daß eine so alte, tiefgewurzelte heidnische Einrichtung, wie die der Bämöth. die in die Zeit der Kanaanäer zurückreichte, nicht mit einem Schlag radikal zu beseitigen war, ist geschichtlich wohl verständlich. Kultusverhältnisse, mit denen die Sitten langer Jahrhunderte verknüpft waren, hatten gewiß eine zähe Widerstandskraft, um so mehr, als zahlreiche persönliche Interessen ihre Erhaltung begünstigten. Daher mußte 100 Jahre später seitens des Königs Josia wiederum die nachhaltigere Bekämpfung der Bämöth einsetzen. — Daß aber schon ein Jahrhundert vor ihm und vor der Auffindung des Gesetzesbuchs Hizqia diesen Kampf geführt hat, daß also nicht erst seit dieser Auffindung des Thöräbuchs die Forderung der Beseitigung der Bämöth auf kam, ist durch die oben aufgeführte geschichtliche Tatsache erwiesen, wie deren Verbot auch durch Hoseas Prophetien als ein bestehendes vorausgesetzt wird. Zur Charakteristik der Weisen des Talmud. Von Professor Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. ״Raba sagte: Die heilige Lade, welche zur Aufbewahrung der Gesetzestafeln diente, war von innen und außen mit Gold belegt, daraus können wir lernen, daß der Gelehrte, dessen Inneres nicht seinem Äußeren gleicht, kein Gelehrter ist“. Ein anderer meint, er sei sogar ver abscheuungswert (Joma 72b). Innen und außen reines Gold, Gesinnung und Handlung gleicher Art, kein Widerspruch zwischen Herz und Hand, mit anderen Worten: wahrhaft sein, das ist das Wesen des Trägers der