Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Schulzwang. 113 dasselbe Ziel erreichen muß wie andere Schulen. Das jüdische Ideal wäre eine Schule, in welcher die Thora den Mittelpunkt bilden und alles andere beherrschen würde; die anderen Fächer hätten sich um sie •zu gruppieren. Dieses Ideal ist unter unseren Verhältnissen nicht zu erreichen: es könnte vielleicht bei der Gründung neuer Schulen in Palästina ins Auge gefaßt werden. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn unsere Gesinnungsgenossen die ungeheure Bedeutung des Schulproblems für das Judentum einsehen und einigermaßen berücksichtigen würden. Man müßte sich entschließen, die vielen fakultativen Gegenstände, die man den Schülern noch aufbürdet, den besonderen Unterricht in fremden Sprachen, in Musik usw. mogliehst einzuschränken und bei mindert)egabten Schülern ganz zu beseitigen; damit würde für den Unterricht in jüdischen Fächern doch etwas Zeit gewonnen werden. Diejenigen Eltern aber, die dazu einigermaßen in der Lage sind, sollten es als heilige Pflicht betrachten, ihre Söhne nach Absolvierung der höheren Schule ein oder zwei Jahre ausschließlich dem Thora- Studium widmen zu lassen. Wenn diese altjüdische Sitte wieder aufleben würde, dann würden auch wieder Stätten des Thora- Studiums in den größeren Gemeinden erstehen, die den Geist in diesen Gemeinden aufs wohltätigste beeinflussen könnten. Es ist ein schweres Problem, das uns gestellt ist. Aber wir müssen es zu lösen versuchen, wenn wir nicht uns selber aufgeben, wenn wir das Judentum, für das unsere Väter Jahrhunderte hindurch gelitten und gekämpft haben, weiter erhalten wollen. Denn nur, wenn wir die Jugend zurückgewinnen, wenn wir sie für die alten Ideale begeistern können, hat das Judentum eine Zukunft.