Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Schulzwang. Zielen gesetzt werden sollte. Und daß man diese Gefahr für das Judentum überschätzte, wer möchte das angesichts der heutigen Situation zu behaupten wagen? Die Entwickelung hat denn auch schon dahin geführt, daß in weiten Kreisen die Forderung erhoben wird, jüdische Schulen zu gründen, und sogar Männer, welche sonst gewohnt sind dem Programm des politischen Liberalismus blindlings zu folgen, verhalten sich nicht mehr absolut ablehnend gegen diese Forderung. Jüdische Schulen könnten gewiß in vieler Hinsicht eine Besserung herbeiführen. Die Kinder haben hier die Feier des Sabbat und der jüdischen Feste, die sie in den allgemeinen Schulen entbehren müssen. Der Religionsunterricht fügt sich in den Rahmen des gesamten Unterrichtsplanes ein und verliert nicht an Ansehen gegenüber den anderen Fächern. Auch wird manche Entweihung des Sabbat verhindert, wird dadurch manches Kind in der Thoratreue erhalten werden. Denn, wenn auch die Befreiung vom Schreiben gesetzlich gewährleistet ist so weiß man ja, wie oft die Lehrer es versuchen, die Kinder zum Verzicht auf dieses lästige Ausnahmerecht zu bewegen, und gerade bei unseren aus dem Ausland eingewanderten Glaubensbrüdern, die selbst streng an der Überlieferung festhalten, ist es nicht selten, daß sie solchen Versuchen der Lehrer gegenüber nicht energisch aufzutreten wagen. Der ihnen ungewohnte Schulzwang erscheint ihnen als eine vis major, und sie nehmen alles, was damit zusammenhängt, mit fatalistischer Ergebung hin. — In der jüdischen Schule kann auch, vorausgesetzt, daß das Lehrerpersonal entsprechend ausgewählt wird, bis zu einem gewissen Grade jüdische Welt- und Lebensanschauung gepflegt werden. Aber der Hauptschaden der modernen Schule ist die Fülle des Stoffes, der bewältigt werden muß und der für die Pflege jüdischen Wissens wenig Zeit läßt. Das ist in der früher charakterisierten materiellen Tendenz der Schule begründet, eine Tendenz, die noch im Wachsen begriffen ist und aus der sich meines Erachtens z. B. auch die Bewegung gegen die antiken Sprachen herleitet. Diese allgemeine Grundläge kann auch die jüdische Schule nicht ändern, weil sie ja