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Jeschurun · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I IO Schulzwang. vermitteln, ihm das Verständnis für die verschiedensten Gebiete zu eröffnen, um seinen Geist zu bilden und seinen Blick zu schärfen — aber sie bietet ihm sehr wenig für das Gemüt. Der Durchschnitt der Menschen ist heute gebildeter, kenntnisreicher als früher, aber ich glaube, man sagt nicht zu viel, wenn man behauptet: es gibt heute verhältnismäßig nicht mehr Menschen mit einer harmonischen Geistes- und Herzensbildung als in vergangener Zeit, in jüdischen Kreisen sogar weit weniger. Und das ist im Wesen der Schule begründet. Die moderne Schule verfolgt einen materiellen Zweck, die jüdische der früheren Zeit hatte einen idealistischen. Die heutige Schulbildung soll den jungen Menschen ertüchtigen für das praktische Erwerbsleben, soll ihm die Mittel gewähren, um den immer mehr sich verschärfenden Kampf ums Dasein zu bestehen. Es soll natürlich keineswegs geleugnet werden, daß dazu auch moralische Faktoren gehören, und daß die Schule auch einen religiös-sittlichen Einfluß ausüben will. Es soll auch nicht in Abrede gestellt werden, daß Leitung und Lehrpersonal für den Geist, der in einer Schule herrscht, sehr wichtig sind, und daß diese sehr verschieden sein können. Aber der vornehmste Zweck der Schule ist eben doch in erster Linie die Erreichung des Arbeitspensums, die Vermittelung des Wissensstoffes, und Wissen allein braucht durchaus nicht charakterbildend zu sein. In der jüdischen Schule aber war die Thora die Grundlage, die für das praktische Erwerbsleben nie in Betracht kam, die heute nicht einmal als ein Mittel gelten kann, um Gelehrtenruhm zu erwerben. Die Thora war die Sonne, die nicht nur den Geist erhellen, die auch das Herz bilden und das Gemüt erwärmen sollte, die durch ihre einheitlich geschlossene, nur auf Gott gerichtete Weltanschauung geeignet war. bei allen Dissonanzen des Lebens die Harmonie in der Seele des Menschen wiederherzustellen. Heute ist die Zeit des jüdischen Kindes zum allergrößten Teil ausgefüllt durch die Beschäftigung mit profanen Gegenständen, und soweit von der Schule aus Weltanschauung übermittelt wird, ist es christlich-germanische Weltanschauung. Ein paar dürftige Religionsstunden, das ist alles, was dem

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