Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Schulzwang. setz. Zu der Erziehung in der Familie muh aber dann der Unterricht, die theoretische Belehrung hinzutreten. Schulpflicht ist ein uraltes, jüdisches Erbteil. Die Thora befiehlt uns ״ דשננתם לבניךdu sollst sie deinen Kindern einschärfen“, und der Talmud zählt unter die Pflichten, die der Vater gegenüber dem Kinde zu erfüllen hat, ללמדו תורה ״ וללמדו אומנותes in der Thora zu unterrichten und es einen Beruf zu lehren“. Die pädagogischen Kegeln, die Maimonides im Anschluß an den Talmud aufstellt (in Hilchoth Talmud Thora), entsprechen zum Teil den modernsten Grundsätzen. Je nach der körperlichen Konstitution sollen die Kinder nach vollendetem 6. oder 7. Lebensjahre der Schule übergeben werden. Das Lehramt darf nur gewissenhaften, gottesfürchtigen Männern anvertraut werden. Der Lehrer soll die Kinder liebevoll behandeln und körperliche Strafe nur mit weiser Zurückhaltung anwenden. Die Zahl der Kinder, die ein Lehrer zu unterrichten hat, soll 25 nicht überschreiten; bei mehr als 25 soll ein Hilfslehrer, bei 40 ein zweiter Lehrer angestellt werden. Jede Gemeinde, ob groß oder klein, hat die Verpflichtung, für den Jugendunterricht zu sorgen. Im Mittelalter wird auch häufig die Anstellung von Hauslehrern erwähnt, und zahlreiche Gutachten behandeln Fragen, die mit den Verträgen zwischen dem Vater des Kindes und dem Hauslehrer in Zusammenhang stehen. Die Beschäftigung mit der religiösen "Wissenschaft schloß auch, im früheren Mittelalter wenigstens, die Pflege anderer Wissenszweige nicht aus, und von der Zeit der französischen Talmudgelehrten läßt sich mit Sicherheit annehmen, daß auch die Landessprache gekannt und grammatikalisch riehtig gehandhabt wurde 1). Im Mittelpunkt des geistigen Strebens stand freilich überall und zu allen Zeiten die Thora. Sie war das Bildungsmittel für Geist und Herz; sie zeigte nicht nur den Weg für das praktisch-religiöse Leben, sie gab der jüdischen Jugend auch die Elemente einer religiös-sittlichen Weltanschauung. x) S. Grüdemann, Geschickte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Frankreich und Deutschland. S. 55.