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Jeschurun · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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98 Die Natur ein Buch Gottes. ohravvtov lautet der Ruf, wie einst zur Zeit des Sophistei Protagoras, nicht bloß im erkenntnistheoretischen sondern in eminent praktischen Sinn. Nicht der Mensch im allgemeinen das Individuum ist das Maß aller Dinge. Auch hier gilt es, den Fehler aufzudecken, dann ver schwinden die Gespenster. Wir können alle Beobachtungei an der äußeren Natur, alle Entdeckungen an der seelischei Beschaffenheit des Menschen anerkennen und freudig begrüßen Die Schlußfolgerungen nur, die aus ihnen gezogen werden, um die Anwendung, die sie finden, sind von Grund aus verkehr! Die Natur freilich ist jenseits von Gut und Böse, aber de^ Menschen Bestimmung ist es eben, diese an sich neutrale Natur in das Reich des Guten zu erheben. Nicht von der von Menschenhand unberührten Natur dürfen wir lernen, die nach den in ihr ruhenden Ursachen sich auswirkt, sondern von den in den Dienst der menschlichen Kultur gestellten Kräften der Natur. Elektrische Ströme durchfließen die Erde und ihre Atmosphäre, sie bleiben ohne sichtbare Bedeutung oder richten gar in plötzlichen Entladungen beim Gewitter furchtbare Verheerungen an. Sie sind an sich neutral oder gar verderblich. Aber von Menschen gebannt und richtig geleitet, führen sie ihn in der Schwach- und Starkstromtechnik zu den glänzenden Triumphen des modernen Wirtschaftslebens und der verfeinerten Kultur unserer Tage. So auf dem Felde der geistigen und sittlichen, so auf dem Gebiet der religiösen Betätigung. Die Natur ist der Rohstoff, die Natur da draußen und die innere Beschaffenheit des Menschen. Diesen Rohstoff zu verarbeiten, ihn zu bilden, daß aus Körper und Geist, aus Trieb und Pflicht, aus dem irdischen Begehren und dem göttlichen Gebot Vollkommeneres, wahre Kultur und Sittlichkeit, wir sagen das Gottgewollte erstehe, das ist die Aufgabe des Menschen hienieden. Halten wir uns das stets vor Augen, dann können wir voll Liebe und Hingebung uns in die Forscherergebnisse versenken, wie sie aus der Physik und Chemie, aus der Biologie und Psychologie in reicher Fülle uns Zuströmen.

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