Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Natur ein Buch Gottes. 99 m Was wir bisher ausgeführt, war nur ein Fingerzeig, wie wir in der Defensive uns bewähren müssen, aus weichen Gedankengängen heraus wir zur Ablehnung der auf uns einstürmenden Theorien und Schlußfolgerungen gelangen können. Aber die beste Abwehr ist der Hieb! Wir müssen in der Lage sein, positiv für uns und für unsere Umgebung unsere religiöse Weltanschauung vertreten zu können, sie muß ein lebendiger Organismus werden, ein Baum, der seine Wurzeln immer tiefer entsendet, seine Zweige immer weiter ausbreitet, und so selbst erstarkt und anderen Schutz und Schatten gewährt. Und eben die Welt, die die Gegner entgöttert, sie gerade muß uns dazu dienen, daß sie wieder der Schemel der Füße Gottes wird, wie Jesaja es verkündet. Wollen wir ein sicheres Fundament für unsere religiöse Überzeugung, ein Fundament, das allen Erschütterungen Stand hält, dann müssen wir selbst in die Natur uns versenken, in die Außenwelt und in unser eigenes Innere. Dann werden aus eigener Beobachtung und aus der liebevollen Vertiefung in das Einzelne uns immer neue Kräfte Zuströmen, dann werden wir immer neue religiöse Erfahrungen erleben. Ich sagte, in die Außenwelt und in die Innenwelt sich versenken! Behandeln wir diese beiden Punkte gesondert. In die Außenwelt müssen wir uns versenken, in all die Herrlichkeiten, die Gott vor unser Auge gestellt, in die wunderreiche Welt der Geschöpfe und die prangende Schönheit der Pflanzen, die Gott geschaffen, daß die Menschenkinder ihre Freude daran haben. Ob dies der Zweck der bunten Mannigfaltigkeit alles Seins hier auf Erden ist, wie die einen, und zwar die Mehrzahl unter unseren geistigen Führern es behaupten, oder ob, wie andere, unter ihnen Maimonides, es annimmt, all der Fülle der organischen Wesen ein Selbstzweck innewohnt; aus der Beobachtung und eingehenden Beschäftigung mit den Gesetzen ihres Entstehens und Vergehens, mit ihrem Treiben, ihren Leiden und Freuden erschließt sich uns immer wieder