Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292933--00111-2293341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

97 Die Natur ein Buch Gottes. Auch er ist nach ihnen ein Produkt der Natur und nur aus der Beobachtung der Natur heraus vermag er die rechten Ge״ setze für sein Handeln abzuleiten. In der Natur sehen wir oft eine Fülle von Keimen ausgestreut, aber nur wenige gelangen zur glücklichen Entfaltung. In der Natur ein Kampf um das Dasein, und nur die kräftigsten, rücksichtslosesten Individuen setzen sich durch und bringen so die Art zu einer vollkommenen Gestaltung. So darf auch die Disziplin, die das Verhalten des Menschen zum Menschen regelt, die Ethik ihre Forderungen nicht von irgendeiner außerhalb der Natur stehenden Macht oder Idee ableiten, sondern aus den Beobachtungen in der Natur. Das Mitleid mit den Schwachen und Untauglichen ist zu ertöten und zu ersetzen durch eine energische Förderung des Starken und Brauchbaren, die Achtung und Liebe gegenüber dem vergehenden Geschlecht, den Eltern, zu ersetzen durch die Fürsorge für das kommende Geschlecht, für die Kinder* damit wir uns hinaufpflanzen statt fortzupflanzen, wir den Übermenschen züchten statt des Durchschnitts- und Dutzendmenschen, wir das Jahrhundert des Kindes heraufführen zum Heile der Menschheit. Hiermit verwandt ist die Theorie vom Hechte der Individualität, die Forderung des sich Auslebens, die so viele Jünger zählt. Wir sprechen hier nicht von den Büchern, die den krassen Egoismus lehren, sondern von den vielen schwärmerisch gehaltenen Schriften und Aufsätzen, die diese Theorie idealistisch verklären. Unter vielen erinnern wir nur an Ellen Keys dickleibiges Buch: ״Lebensanschauungen^. die Wonne und Seligkeit ihrer Anhänger, das von geistvollen Bemerkungen und Gefühlsäußerungen nur so überfließt. Hier, wie noch in mehreren Schriften, in den Äußerungen des Göthekultus, in Staats- und Strafrechtslehren immer das Streben, aus den Beobachtungen der Natur im allgemeinen, wie vor allem, aus der psycho-physischen Beschaffenheit des Menschen, aus der auf dem Experiment beruhenden psychologischen Vertiefung in das Wesen des Menschen eine neue grundstürzende Erkenntnis abzuieiten. Was die Beligion, was Hecht und Sitte seit Jahrtausenden gebot, gilt als überwunden; avS'pto-os uivcov

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.