Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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94 Die Natur ein Buch Gottes. allgemein empfundenes und sucht auf den verschiedensten Wegen nach Ausdruck; dies ist verständlich, wenn man bedenkt, daß es sich ja in aller Wissenschaft und Weltanschauung um eine Vereinfachung der Wirklichkeit, um eine Zurückführung der gegebenen Mannigfaltigkeit und Vielheit auf ein gemeinsames Prinzip, um die Gewinnung eines letzten und höchsten Gesichtspunktes handelt, von dem aus angesehen die Vielheit sich zur Einheit ordnet und die verwirrende Eülle der Erscheinungen sich als ein übersichtliches Ganzes darstellt. So hat auch Plotin. der tiefste Denker und spekulativste Kopf des Altertums, einen Gegenstand erst dann wirklich als erkannt bezeichnet, wenn er auf das Eine als seinen Grund und sein Wesen zurückgeführt sei. Monismus in diesem Sinne ist folglich die selbstverständliche methodologische Voraussetzung aller Wissenschaft, der unbewußt leitende Gedanke ihrer Untersuchungen. das Ziel, auf dessen Erreichung alle Wissenschaftliehe Erkenntnis hinstrebt: und keine Wissenschaft kann sich rühmen, in sich vollendet und fertig zu sein, die nicht in solcher Weise ihre Resultate an eine letzte, nicht weiter auf etwas anderes zurückführbare und höchste Einheit angeknüpft hat.״ Und in der orientierenden Arbeit ״zur Geschichte des Monismus“1) heißt es bei einem anderen verständigen Vertreter des Monismus: ,.Die logische Wurzel für jeden Monismus ist das Einheitsstreben des Denkens.“ ,,Monismus im weitesten Sinne ist jedes Bestreben, einen vorhandenen gedanklichen Widerspruch durch das Denken'zu überwinden; zwei Vorstellungen oder Ideen, die nebeneinander unvereinbar sind, unter Einem höheren Gesichtspunkt ״zu begreifen“. In diesem ganz weiten Sinne ist jede neue Erkenntnis monistisch in ihrer Tendenz, denn jede neue Erkenntnis schafft uns eine Vielheit, eine neue Einheit oder ordnet Einzelheften in eine Einheit ein und zielt nach einer absoluten Einheit. Dieses Einheitsstreben des Denkens ist die einzige Tatsache, die feststeht. Sie wird uns in jedem Augenblick empirisch verbürgt. Sie ist uns (wie Kant nachwies) a priori *) a. a. 0. Band II S. 30.