Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Di© Natur ein Buck Gottes. Es ist für die religiöse Weltanschauung, wie sie die positiven Religionen und unter ihnen unser Judentum vertritt, ein quälendes und bedrückendes Gefühl, sich einer geschlossenen Phalanx von Feinden gegenüberzusehen. Es ist nicht erfreulich, wo immer man in die letzten Gedankengänge einer wissenschaftlichen Disziplin eintritt, Ausführungen zu begegnen, die sich gegen unsere heiligen, altüberlieferten Lehren richten. Und doch ist diese rein theoretische und mit dem Rüstzeug der Wissenschaft auftretende Gegnerschaft nur eine geringe Gefahr im Verhältnis zu einer anderen. Wahre Religion, eekteT ursprüngliche, die nicht angelernte Menschensatzung ist, sondern aus dem Innern quillt, hat nichts von Deduktionen zu fürchten, die von des Gedankens Blässe angekränkelt sind. Man vermag den Glauben an Gott und seine Lehre nicht durch Beweise zu erzeugen, aber ebensowenig vermag man ihn wegzudisputieren. Aber bedenklich und gefährlich wirds, wenn die Gegnerschaft sich selbst ein Glaubensbekenntnis formuliert, wenn sie von der Religion das Gewand borgt, wenn sie gerade die Kräfte, die im Menschen dem religiösen Glauben und der religiösen Betätigung geweiht sind, in ihren Dienst zu zwingen sucht, wenn sie sein Fühlen und Wollen zu bestimmen unternimmt. Dahin geht das Streben all derer, die jetzt eine neue Religion uns künden wollen, eine Religion, die dem Wissen unserer Zeit gerecht werden soll, und das istJs, was all die Bewegungen, für die das Wort Monismus nur ein Sammelname ist, so bedenklich und gefährlich erscheinen läßt. Die Natur, was sie an Schönheit und Erhabenheit, an Genuß und Nutzen, an geistigen Errungenschaften und kulturfördernden Mitteln bietet, das wird vor unser Auge gezaubert, um aus all dem die Forderungen des Tages und der Ewigkeit herzuleiten, die Bedürfnisse des Geistes und des Herzens zu befriedigen, das Sein zu erklären und das Sollen zu verkünden! Nicht die strenge Wissenschaft, die Ethik und Politik, und vor allem die religiöse und politische Literatur unserer Tage können leicht den Unbefangenen und Unschuldigen, den Schwankenden und äußeren Eindrücken Zugänglichen vom Pfade der ange-