Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292933--00093-2293323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S. R. Hirsclts erste Predigt. 79 Herz reden: ״Nur in der Natur waltet Gott, in den Elementen, er leitet dort den Wechsel des Lebens, aber wenn die Güter der Natur erst Eigentum des Menschen geworden, dann ist der Mensch ihr Gott und kein Auge schauts, wie er nach Willkür und eigenem Sinne sie verwendet und gebraucht.״ Und sieh, da könnten wir bald zügellos der Leidenschaft folgen, oder wenn wir das Gute gedrückt, der Ausübung des Guten von allen Seiten Hindernisse in den Weg gelegt sehen, da wir bald verzweifeln an allem Guten und Edlen und in untätiger Schlaffheit die Hände sinken lassen, dann mahnt uns der zweite Ruf: ״Denn allwissender Gott ist der Herr, ihm der Taten Gehalt bekannt.״ Mit ins Leben tritt die Gottheit ein und wachet über den Gebrauch der Güter, die sie dem Sterblichen zuführt; ist nicht nur Herr der Natur, ist auch Herr der Geschichte, lenket und leitet das Menschenleben, hat einen Zweck gesetzt ins Leben, den Zweck des Guten und Edlen, und fördert was diesem Zwecke entspricht, und vernichtet das Widerstrebende. Drum seien wir vorsichtig im Gebrauch der Güter, daß wir nur dem Zweck des Herrn gemäß leben. Aber wie? Wenn wir die Genüsse, die nur zur Erhaltung unseres leiblichen Daseins gegeben, als Zweck dieses Daseins, als alleinige Aufgabe betrachten und nun der ganzen Schar von Lüsten und Begierden die Tür öffneten, im Sinnestaumel unser ertötetes Leben durchwankten, das Dasein untergraben, das uns zum rüstigen Leben, zur heilbringenden Tätigkeit verliehen, oder wenn wir den Überfluß, der uns geworden, nur benutzten, um neuen Überfluß zu erschwingen, uns kalt Goldstein zu Goldstein legten, während der Bruder neben uns darbt, während der Bruder neben uns hinstirbt, oder wenn in sinnloser Vergeudung wir das verschwenden, womit wir, weise verwandt, Freude und Segen verbreiten könnten; wenn wir die Güter des Geistes nur darum schätzten, weil sie uns überlegen machen dem Minderbegabten, und Weisheit nicht, nicht Lebenskenntnis, sondern Klugheit und Trugwitz achten; 0, wie wird uns dann der Ruf durchbeben ״Gott gedenkts“, richtet einst und jetzt und fordert Rechenschaft vom durchlebten Leben, wähnet nicht, daß ihr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.