Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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7 4 S. K. Hirschs erste Predigt. loren — und vor uns noch die verhüllte Zukunft, von der uns keine Kunde geworden, was sie birgt, ob sie uns ersetzt, was wir verloren, ob sie uns nimmt, was wir erlangt, ob Freude sie bringt oder Leid, darum ist ernst die erste .Regung, denn eisern fest steht die Vergangenheit, und wie wir in ihr Zeugnis unsrer Selbst durch unser Leben abgelegt, isfls ertreulich oder trübe, es steht unwandelbar als Zeuge für alle Zeit! — Ernst ist die erste Legung: denn wie des Mondes zwölfmaliger Lauf heute den Wechselgang des Jahres schließt, und wir jetzt in die Natur hinausblicken, was er uns gebracht, dieser kreisende Gang der Entwickelung, ob freudige Ernte, ob dürftigen Mangel wir zu erwarten haben — so haben wir auch in unserm Leben manchen Wechsel erlebt, mancher Keim ward entwickelt, manche Blüte gedieh zur Frucht, — aber auch mancher Keim ward erstickt, manche Blüte gebrochen, und manches Reife ging im herbstlichen Sturme unter — und fragt nun der himmlische Vater nach der Ernte unseres Lebens, nach den Früchten unserer Taten — wohl dem dann, der nur Erfreuliches aufzuweisen hat! Und an diesem ernsten Tag ist7s, an dem ich Euch, meine Teuren, zum ersten Male im vollsten, im schönsten Sinne Brüder nenne, wo mir am lebhaftesten die Pflichten alle vor die Seele treten, die der erste Ruf des Amtes mir ans Herz legt. Wer dürfte mehr von ernstester Stimmung ergriffen sagen als ich, war ja dieses Jahr das gewichtigste meines Lebens, bin ich in ihm ja vom Jünglinge zum Manne gereift, und ernster als je liegt die ganze Zukunft vor mir. — Aber frohes, inniges Dankgefühl gesellt sich zu diesem Ernste bei uns allen, Dank ihm dem Vater alles Lebens, der uns erhalten im Leben, Dank für alles Vergangene, für die Freuden Dank, mit denen er unser Leben schmückte, Dank auch für die Leiden, durch die Er seine Kinder erzog, Dank, daß wir nun einem neuen Kreise von Zeiten entgegengehen und in der Zukunft rüstiger und kräftiger leben und wirken können, wenn wir7s im vergangenen etwa versäumt. — Aber wiederum, wem dürfte lauter das Herz von Dankgefühl