Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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73 S. II. Hirschs erste Predigt. Der Redner leitet seine Predigt mit einem Rückblick auf seine eigene Vergangenheit ein ״von dem Tage, an dem zuerst mir der große Sinn des Lebens aufging, bis heute, wo der Herr mich hervorrief, neues Leben zu gründen und zu leiten!״ Sympathisch berührt der vierfache Dank, in welchen die Einleitung austönt: Dank an Gott, der früh in des Kindes Brust den Funken ernsten Strebens angefacht, Dank für das Glück zartlieh sorgender Eltern, treuer Freunde und Lehrer, Dank dem Landesfürsten und seinen Beratern, Dank den Gemeindemitgliedern, die den Freund mit freundlicher Herzlichkeit in ihre Mitte aufgenommen. Möge diese erste Rede dem Anfänger Belehrung, dem Vorwärtsstrebenden Ermunterung, dem Fertigen Anregung, den Lesern des neuen Jeschurun einen Blick in den Werdegang des großen Mannes, des Begründers des alten Jeschurun gewähren!1} * Welche Gefühle, werte Zuhörer, müssen nicht heute meine Brust durchschauern, indem ich diese Stätte betrete, die dem heiligen Ernste des Wortes des Herrn geweiht ist! Ein Jahr liegt hinter uns. ein Jahr mit allen seinen Freuden und Leiden, mit allem, was wir vollbracht und versäumt, mit allem, was wir erhofft und errungen, mit allem, was wir gehabt und ver- נ) Anm. der Redaktion: Wir möchten unserem verehrten Mitarbeiter für die Veröffentlichung des hochinteressanten Dokuments auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank aussprechen. Das vorliegende Dokument erscheint uns deshalb von so großer Bedeutung, weil es den klassischen Beweis dafür erbringt, daß Hirsch in seiner Gedankenrichtung von Bernays nicht abhängig und daß sein ganzes System das Produkt durchaus selbständiger Geistesarbeit ist. Eine Predigt, wie die hier folgende, konnte unmöglich von einem Manne verfaßt werden, der die Ideenwelt der späteren Werke Hirschs auch nur dem Keime nach in sich trug. Der Styl Hirschs ist trotzdem unverkennbar. Eins darf freilich auch bei dieser Predigt nicht außer acht gelassen werden. Nachdem hundert Jahre auf unzähligen Kanzeln über מלכיות זכרונות ושופרות gepredigt worden ist, erscheinen uns Gedanken vertraut, die zu jener Zeit original waren. 5*