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Jeschurun · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 65 (sequence 33)
Language
German
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Hinter Mauern. es Stunde nützend für Erringung höherer Stellung und unlauteren Gewinns, von brutalem Tyrannondiinkel gegen die Niederen, von schmeichlerischer Hingabe gegen die Höheren; und der andere*, ein wirres Gemenge von hochstrebenden Idealisten, Frcihoitsfanatikern, Mystikern, Nihilisten und Spitzeln. Wie aus diesen Faktoren bei einer entscheidenden Wendung in der inneren Politik, angesichts außerordentlicher Umwälzungen, da fl io Einen ihrer Träume Erfüllung in nächste Nähe genickt, die Anderen sieh in ihrem ganzen Da- und Sosein bedroht sehen, eine Tragödie des Menschengeschlechts entsteht, in der dem jüdischen Volk wie so oft die Rolle des tragischen Helden zufallt, das ist schon wiederholt geschildert worden, von keinem u. W. mit solcher Kraft und Anschaulichkeit, wie von Aade Madelung. Madelung ist sicher kein Freund und Fürsprecher des russischen Judentums. Es ist doch wohl sicher sein Empfinden, wenn er von Hanne Liebe sagt: „Sie fühlte einen Abgrund zwischen sich und diesen Menschen. Sie sah sie ihre Amoiscnhügelchcn bauen, tief im Schatten, wo sic nichts wahrnahmen als sich selber und ihre eigene unfehlbare Kleinheit. Das ist das Gesetz und des Gesetzes Auslegung, dachte sie. daß diese Menschen sich zufrieden geben sollen mit ein paar Papierrollen (gemeint sind die Thorarollen), die Gottheit scheu in ein paar Lodorriemen, die sie sich 11m den Arm wickeln, in spitzfindigen Geboten, was man zu jeder Stunde der verschiedenen Tage der Woche und des Jahres tun darf und nicht tun darf . . . ,u (S. 265). Um so ergreifender wirkt das hoho Lied von den Leiden dieses Volkes aus seinem Munde, er beugt die Knie nicht vor ihrer Lehre, aber doch vor ihrem Schicksal. Er nennt unsere Brüder die „Gezeichneten“, weil er nur das Brandmal sieht, das ihnen die rohe Hand der Feinde aufgedrückt und nicht den leuchtenden Glanz, mit dem eine beispiellose Vergangenheit und eine unendlich hohe Aufgabe in der Zukunft auch das abgehärmte und entstellte Antlitz dieser „Gezeichneten“ verklärt.

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