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Jeschurun · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 61 (sequence 29)
Language
German
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Hinter Mauern. 61 nahmn hoi dom abgespannten und ermüdeten Kulturmenschen der Jetztzeit. Je wirksamer dieser Weg, sich Gehör zu vci-- schaffen, um so bedenklicher ist es, wenn falsche Urteile durch die Bühne und das belletristische Buch allgemeine Verbreitung findon. Nun hat cs schlechte Stücke und Bücher immer gegeben, die großes Unheil anrichtcn. Da Abwehrmaßregeln nur noch größeren Schaden stiften, so muß man sich darein finden. Aber man sollte doch nicht in eigener Person dazu beitragen, den schädlichen Einfluß zu verstärken. Um so seltsamer ist es, wenn die zunächst Beteiligten, die es besser wissen müßten, sich in Scharon ins Theater drängen, wo sie ein lächerliches Zerrbild ihrer Eigenart erblicken. Das sei heute nur durch ein aktuelles Beispiel erläutert. Ein Zugstück der letzten Monate ist das Schauspiel „Hinter Mauern“. Die Fabel ist bald erzählt. Esther, die Tochter eines jüdischen Bankiers verlobt sich ohne Wissen der Eltern mit dem Sohn des christlichen, antisemitisch angehauchten Etatsrat Horming und vorspricht ihm, daß die Kinder getauft werden sollen. Der Vater überwindet zuletzt den Schmerz, daß soino Tochter den Sohn dos Mannes erwählt hat, der ihm einst das Schlimmste angetan. Aber über die Forderung, daß dio Kinder getauft werden sollen, kommt er nicht hinweg. Esther, zuerst auf Seiten der Verwandtschaft ihres Verlobten, findet den Weg zu ihren Eltorn zurück. Und das gewinnt ihr noch in höherem Maße das Herz des Verlobten. Mit einer versöhnlichen Aussprache zwischen den Beteiligten schließt das Stück. Ob nun die Kinder trotz allem getauft werden sollon, erfahren wir nicht. Das ist bedauerlich, denn das ist der Angelpunkt des Stückes. Der Haß, den der alte Levin gegen den Etatsrat hegt, ließe uns eine Entwickelung wie in „Romeo und Julia“ erwarten, das „Gefühl der Rache“, das den Juden gegen die Umgebung erfüllt, macht uns Hoffnung auf ein Pendant zum „Kaufmann von Venedig“. Aber bei dem ersten Bosucho, den dor junge Dr. Horming im Hause unseres alttestamentarischon Helden macht, trägt dieser Wilde Europens übertünchter Höflichkeit Rechnung. Und im dritten Akt sind

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