Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 56 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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56 Kritische Kundschau. und umfassenden Kenner der Halachah, אשר לבס רהב כפתחו של אולם, von denen wir täglich mehr die Überzeugung gewinnen, daß sic tiefer als wir selbst in die Tradition eingedrungen sind, daß daher ihre Auffassungen und Entscheidungen den höchsten Grad von Zuverlässigkeit besitzen. Ganz von selbst, durch die innere Wahrheit ihrer Entscheidungen haben sie solche Wertschätzung und Anerkennung in allen Teilen der Diaspora gefunden. Aber es ist an sich durchaus falsch, aus ►Sätzen, die in einem gewissen Zusammenhang ihre besondere!Bedeutung haben, zu schließen, daß cs irgendeine Autorität unter den Dezisoren gibt, die an und für sich als unverletzlich gilt. Immer ist es nur die Gesamtheit aller, aus deren mannigfachen streitenden Anschauungen nach Prinzipien, die nur dem Kundigen, dem, der sein Leben diesem Studium weiht, bekannt sind, die Wahrheit und die endgültige Entscheidung erschlossen wird. Man vergleiche, was H offmann darüber in seinem ״Schulchan-Aruch und die Andersgläubigen“ S. 36 ff. gesagt hat. Es klingt für den Unwissenden ja sehr eigonartig, wenn der Verfasser einen Ausspruch zitiort, den K. Eleazar Floekcles über Moses Isserles getan: ״Moses ist Wahrheit und soine Lehre ist Wahrheit und davon weiche nicht um Haarcsbroito ab.“ Jodcr, der mit der Literatur vertraut ist, weiß, daß das eine Wendung ist, die z. B. der unzählige Male braucht, was ihn nicht hindert, oft genug gegen die Autorität des K. Moses Isserles zu entscheiden. Doch den Verfassor quält noch oine andere Frage. ״Wie stellt sich“, meint er, ״der moderne Mensch zu der Autorität des Sehulchan-Aruch in wissenschaftlichen Dingen? das ist keineswegs eine müssigo Doktorfrage. Der Schulchan-Aruch lehrt (Joreh Dcah 84,15), daß es Vögel gibt, die auf Bäumen wachsen. Die Kodifikatoren erklären diese Vögel für verboten. Sind nun die mittelalterlichen liabbinen nicht frei von dem Aberglauben ihror christlichen Zeitgenossen gewesen, so können wir doch logischerweiso in anderen Entscheidungen, wie etwa boi derEntfernung des Blutes aus dem Fleische (Joreh Deali 69,1—19)