Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 53 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2292930-2292932--00062-2293291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kritische Rundschau. 53 und der jüdischen Geschichtsschreiber, die auf dem Boden der Tradition stehen. 3. Eine Verächtlichmachung von vier Paragraphen des Suhulchan-Aruoh und Hoiner Kommentatoren, weil ihnon angeblich falsche naturwissenschaftliche und kulturelle Vorstellungen zugrunde liegen. 1. Diu angeführten Boordigungsbräuche sind im Schulchan Aruch nicht kodifiziert, also nur örtliche Minhagim, deren innere Begründung nicht etwa aus gelehrtem Munde oder aus Quellenschriften, sondern — tatsächlich — derlntorpretatioa einos alten Weibes entnommen wird. Dabei muß der Verfasser selbst berichten, jene Bräuche seien religiös von so geringem Belang, daß sie unter Zustimmung der „Frommen“ und des „orthodoxen Rabbiners“ abgeschafft wurden. Gleichwohl werden die naiven gl aubensfrommen Vorstellungen, die an jene Bräuche sich knüpfen, als dauernde religiöse Ansichten dos gesetzestreuon Judentums angeführt. Der Vcrfassor führt von dieser Alten den Ausspruch an: „Haintigstogs lacht men vün allen. Ech glaab wos geschrieben steht, ün wenn geschrieben steht: Hoibelschpo’, glaab ie<*h Hoibelsehpo,<‘, und bemerkt dazu: „Nachemc ist schon lange tot. Der Genus dürfte in Westeuropa schon ausgestorben sein, aber der Glaube an Hobelspäne lebt noch, wenn er sich auch hinter Perücken verbirgt, die so künstlich gemacht sind, daß man sie von natürlichem Haar nicht zu unterscheiden vermag.“ 2. Als Beweis dafür soll die orthodoxe Geschichtsschreibung gelten, als deren Vertreter Isaac Halevy in seiner Polemik gegen Grätz und Weiß angeführt wird. Wir bemerken dazu: Daß Graz und Weiß viel Unbewiesenes und Falsches als Geschichte ausgoben, daß ihnen Irrtümcr über Irrtümer unterlaufen sind, ist ein Faktum. Man sehe sich nur die 2. Auflage des Grätzschen Werkes mit den Noten und Hinzufügungen der Herausgeber an, um sich zu überzeugen, wieviel unzählige Stellen diese selbst einer Korrektur bedürftig erachtet haben. Jüngst studierte ich die Geschichte der Karaer und mußte mich überzeugen, daß Harkavy und Eppenstein von Gräte’ Dar-