Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42 Die drei Säulen. hat jeno unsre Ahnen zu Liebes werken getrieben. Sie waren auch kein Orpakuß, mit dom sie sich vom Judentumo verabschiedeten, bevor sie es verließen. Wir dürfen jedoch die unstreitig bewundernswerten, segensreichen Leistungen auf dem Gebiete des Wohltuns in unserer Zeit nicht gering einschätzen, wenn sie aus sozialem Pflichtbowußtsoin von Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern erfüllt werden. Gerne wollen wir diesen sozialethischen Standpunkt anerkennen und ihn mit unserem religiösen vereinigen. Wir haben aus der Thorah und deren im Talmud fortgesetzten Lehren, dem hochgesetzten Abodahziele gelernt, das Auge auf die Gesamtheit zü richten, zumal die idealsten sozialen Pflichten, deren Erfüllung sie fordern nach Umfang und Inhalt kaum übertroften werden können. Der rein religiös gerichtete Sinn des echten Juden also erreicht auf diesem seinem so erprobten und langbewährten Wege das Ziel der Humanität mit edelsten Mitteln ohne Aufhebung des einen und Aufgebung des anderen Standpunkts. Er erfüllt dio Menschenpflicht als treuer, gläubiger Jude mit ganzer Seele, ganzem Herzen und ganzer Kraft. An dem dreifach gewundenen Bande Thorah, Abodah, Gemilluth Chassadim wandelt er seine Lebensbahn, schöpft aus einer jeden dieser unversieglichen Quellen gründliche Kenntnis des Judentums, seiner Aufgabe und Geschichte; andächtige Begeisterung und gottesdienstliche Lebenshaltung; weltumfassende, beglückende Liebe zu den Menschen. Je tiefer diese Kenntnis, diese Andacht, diese Liebe sind, um so mehr erfüllt er seine soziale Pflicht, um so höher steigt er in Menschenwürde und Menschenwürdigung, um so wertvoller wird sein Beitrag zur Erziehung des Menschengeschlechts und Vollendung der Kulturarbeit aller Zeiten und Geschlechter, die waren, sind und sein werden. So erweist sich denn auch die dritte Säule als fest und dauernd. Wie prächtig und mächtig stehen sie ragend da, die drei alten, treuen Stützen jüdischer und menschlicher Gesellschaft! Gewaltig haben Stürme sie erfaßt und zu brechen versucht. Bisse zeigen sich da und dort; die alten Baumeister