Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die drei Säulen. 41 zum orstenmalo für allo Ewigkeit unerschütterlich, ein Ruhmestitel, ausgesprochen, als Hochziel der Menschenerziehung. Wer wagt es, uns dieses Verdienst streitig zu machen? Übertrieben und theoretisch überfeinert haben es wohl andere Konfessionen, ja für sich allein es in Anspruch genommen und in den Vordergrund geschoben, indem sie dem jüdischen Beispiele folgten, so daß Juden ihr ureigenstes Eigentum verteidigen müssen, das sie im praktischen Leben in beispielloser Weise in allen Zeiten und Lagen in die Tat umgesetzt haben. Ja selbst die im größten Stile angewandte, organisierte soziale Fürsorge, die heute im öffentlichen Leben der Staaten und Gemeinden eine erste Stelle einnimmt, haben Juden und Judentum schon in einem Altertumo gekannt, in dem davon anderswo keine Spuren vorhanden waren. Und wie sich das Judentum der Neuzeit dieser sozialen Arbeit angenommen und bemächtigt hat, dafür Beispiele anzuführen, hieße Wasser ins Meer schütten. Gemilluth chessed ist im Juden und Judentum geradezu organisch und eingeboren; es gehört zu ihm, wie das Herz zum Organismus. Die kleinste Gemeinde ‘ältester und neuester Zeit ist darin bis zur Selbstaufopferung gegangen. Und wenn vom jüdischen Thorahgciste nichts als der Name übriggeblieben, wenn von Abodah nur kümmerliche Reste weiterlebten, das jüdische Herz pocht kräftig und laut, und kein noch so trauriges Schicksal vermochte die Liebe in ihm zu töten. Von wem anders, als von den wahrhaft gläubigen und frommen Ahnen hätten wir alle diese hohe Tugend ererbt? So nötig und schätzenswert die organisierte Menschenliebe, Philanthropie und Charitas sind, leicht we rden sie zur Schablone. Die unter dem Druck und Zwang sozialer Sorge und Pflicht vernunftgemäß geübte, großzügige Menschenliebe ermangelt oft genug des Gefiihlsmomentes, ohne das die Wohltat zur Plage und der Vollstrecker zum mechanischen Werkzeug werden kann. Wo echte Religion Triebfeder ist, sind solche Gefahren vermieden. Aber nur echte Religion, nicht Kirchenmacht und charitative Tyrannei, die Wunden heilt und Gewissen peinigt, Almosen spendet und Seelen fängt. Nur echte, reine Religion