Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Die drei Säulen. an dio poetischen Einschaltungen (Pijjutim) für ein heftiger Kampf geknüpft. Bei Chassidim ־und Reformern fehlen sie noch heute. — Welch’ tiefer Sinn, welche künstlerische Vollendung nach Form, Inhalt und Anordnung liegt in den Gobctordnungon der Wochentage und Feste, in Siddur und Machsor, deren ehrwürdige Fassung bis in talmudische und gaonäische Zeit zurückreicht. Ethik und Ästhetik der Gcbetordnungen stehen auf gleicher Höhe; ihr Pathos greift tief ins Herz und stimmt zu Freude und Schmerz. Nichts ist unzeitgemäß. Jede geschiehtliehe Erinnerung hat ihre Berechtigung in sich. Und dio Gefühlsstimmungen sind heute nicht anders als ehedem. Judenfreude und Judenleid haben sich nicht geändert. Audi diese zweite Säule also erweist sich stark und gut. Sie ist nicht bresthaft und stützt nacli wie vor das jüdische Gotteshaus. .3 .נטילות הסדים Wessen Leben in solcher Weise durch Thorah geregelt und gerichtet, von Abodah erfüllt ist, der ist von selbst zu werktätiger Menschenliebe hingeführt. Es beruht auf tiefster Erkennung jüdischer Art und jüdischen Wesens, daß unsre alten Lehrer neben anderen, untrüglichen Merkmalen, das Mitgefühl, die Barmherzigkeit, die Menschenliebe als Erkennungszeichen für den echten Abrahamsohn hingestellt haben. Übertroffon hat uns darin bis nun kein Volk, keine Konfession, kaum erreicht־. Wir können mit Stolz und Würde sagen, daß diese Säule unseres Glaubensgebäudes stolzer als jo emporragt, wenn auch dio Gefahr besteht, daß sie allein in weiten Kreisen von sonst verschwundener Pracht Zeugnis ablegt. Darum aber hat sie an Wert nicht verloren. Nur darf die weitverbreitete Anschauung nicht zur alleinherrschenden werden, als wenn diese große sittliche Arbeit, dieses sozialgerichtete Judentum, das Judentum wäre. Wo anders, wenn nicht im Schoße der Thorah ist diese Menschenliebe gewachsen und geworden? Das stolze Gebot der Nächstenliebe ist liier