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Jeschurun · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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3« Die drei Säulen. Daseinsfreude verlieh, so daß es durch Jahrtausende durchhielt. Abodah ließ Märtyrer erstehen; nicht blindo, taube Fanatiker; handelnde, redende Sittenheroen, Akibah-Naturen; einzelne nicht nur, Tausende, Familien, Gemeinden. Martyrium aber ist nicht jedermanns Sache; braucht es auch nicht zu sein. In ruhigen Tagen und Zeiten bedürfen wir nicht minder der Sammlung. Sie wird uns durch Abodah zuteil. Selbstloses, einfaches, schlichtes Gebet, in einsamer Stille oder mit der Gemeinde verrichtet, war in Israel immer heimisch und hat unvergleichliche Höhen und Ticfon erreicht. Weise der Vorzeit erblickten im Gebete den Herzensgottesdienst. Käsende, rastlose Eile unserer Zeit, hastendes Lebenstempo lassen keine Ruhopunkto zu. — Wie oft hören wir: Versonkung in Schönheiten der Kunst und Natur; in Farben- und Touche rmonie, in die stille Predigt rauschender Wälder, wallender Felder, ragender Borge, brausender Wogen, das ist unser Gebet, unsere Andacht. Ohne Zweifel. Solches Versenken kann sammeln, andächtig stimmen, zu Gotteslob, Gottesdienst werden. Das beweist der unsterbliche Hymnus, der aus den Psalmen tönt. Dies aber kann für einzelne Fälle gelten, nicht für alle. Niemals wird sich der Gottesgedanke uns täglich nähern; wir gehen völlig im Tagwerk auf und verbrauchen alle Kraft im Schaden der Stunde, Dieser Zwang folgt uns auf Borgoshöhon, in Meeresweite, Waldeseinsamkeit, in die Tempel der Kunst. Die Berufung auf solche Herzcnsandaehtcn ist also hinfällig, in ihrer gründlichen Menschenkenntnis und Weisheit haben unsere Lehrer, abgesehen von den historischen Motiven der Gebotverrichtung für Alltag und Festtag, dem freion Herzenserguß Kaum gelassen, die religiöse Andachtverrichtung aber in Ordnung und Kegel gebracht, so daß der morgende und sinkende Tag, die stille Nacht uns im Gebete finden, uns aus uns hinaus, in reinere, höhere Gedanken- und Gefühls-Sphären hincinführcn. Und da fehlt kein Herzenston, kein Empfindungsmoment. Da ist allem eine Stelle gegeben, dem seelenlosen Gebete wird jeder Wert abgesprochen. Vielleicht in keiner Zeit war diese im Gebete zu findende Sammlung so nötig, wie in der unsrigen.

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