Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ES Dio drei Säulen. 37 leuchten Moses und die Propheten, leuchten Saadia und Maimuni, diese weltmännischen, großzügigen, weitausgreifenden Gestalten den Weg; ohne Ghetto, mit ihrem Judengeiste und Judenherzen eine Welt umfassend. 2. עבודה Niemals jedoch war Thorah vollständig ohne Abodah im tiefsten, weitesten Wortsinn, Lernen, Lehren nie und nirgendwo Hauptsache, sondern Handeln. Wenn irgendwo, dann gilt im Loben der!Religion und Koligiöson das Wort, daß Theorie grau ist. ״Nicht das Lernen ist Wesen, sondern die Tat“. Man sollte glauben, wo Erkenntnis und Wissen so hoch bewertet sind, können Unwissende nichts gölten, können Ungelehrte nicht wahrhaft rcUgiüs, von Herzen fromm und gut sein. Dem ist nicht so. Judentum hat sich in unendlich vielen, lebendurehdringenden, tatrcgelnd.cn Äußerungen verkörpert, so daß Übung, Erziehung in ihnen automatisch versittigend, läuternd wirken müssen. Gebote sind lediglich zur Läuterung der Geschöpfe da. Anderer Zweck, andere Aufgabe erwächst ihnen nie nnd nirgemlwo. Wir wollen wohl keine Armen im Geiste, doch wir verwerfen, weisen sie nicht zurück. In Abodah-Leben umgesetzte Lehre, gelebte, erlebte Thorah ist mehr als gelernte, erlernte; sittliche Werke sind hosser als Sittontheorio, Das galt und gilt allzeit im Judentum(*. Gottesdienstliches Leben ist mehr als alle Theologie. Das erste ist Kultur, die zweite kann auch bloß Literatur sein. Durchdringung des Alltaglehens mit Gottesgedanken, darum geht es. Andacht im Lenken, Sprechen, Handeln. Das ganze Leben ist eine große Abodah. Wer vermag das zu leisten? Hat es etwa an Beispielen .solcher Art gefehlt? fehlt es heute daran? Tatmenschen fordert die rauhe Zeit, so sagt man, nicht Gefühlsnicht Gedankenmenschen. Die Zeiten waren immer rauh, oft genug roh.!Materialismus hat heuto wio immer diktiert und geherrscht, Egoismus immer und überall Kommando geführt. Und dennoch hat Israel in schwersten Tagen durch Idealismus, bedingungslosen, restlosen Gottesdienst gesiegt. Durch ihn allein, der ihm Dauerkraft,