Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 Von jüdischer Theologie. das ich gebaut habe“ (2 Kon. 4,27). Alle theologischen Theorien waren und sind subjektive menschliche Versuche, das ewige Gotteswort zu fördern und zu schützen. Und als menschliche Versuche blieben sie allzeit unzulänglich und unvollkommen. Sie waren darum nicht überflüssig, sondern sie hatten ihren unschätzbaren und unersetzlichen Wert, weil sie wohltätige und notwendige Wirkungen ausgeübt haben auf die Irrenden ihrer Zeit, weil sie das Judentum derjenigen Generation zu erhalten und zu festigen gesucht haben, von der wir es mittelbar empfangen haben. Sie haben ihre Schuldigkeit getan. Tuen wir die unsrige! Denn die Probleme wechseln im flutenden Wandel der Zeiten. Alte fallen ab und neue wachsen auf. Fragen, die von den Vätern nicht beachtet oder doch in ihrer Wucht nicht gewürdigt wurden, haben bei den Kindern die größte Bedeutung erlangt. Andere, die früher als Zentralprobleme betrachtet und behandelt wurden, sind für uns in die äußerste Peripherie geraten. Einige Beispiele zur Illustrierung des Ausgeführten: Für die Probleme der Geschichte schien einer früheren Zeit das Organ zu fehlen. Sie stehen heute in der Front. Das Problem der Willensfreiheit, um das einst die jüdischen Denker schwer und heiß sich mühten und quälten, um ihm beizukommen, wird von der heutigen Theologie als untergeordnet betrachtet oder ganz fallen gelassen. Nicht als ob dieses unlösbare Problem von ihr gelöst wäre; aber es belastet aus Gründen, auf die hier nicht eingegangen zu werden braucht, nicht mehr ihr Denken. Die Theorie, die Maimonides, der Hort des gesetzestreuen Judentums, in seinem More über viele Gesetze der Thora, insbesondere über die Opfergesetze, aufstellte, um dieselben gegen ihre Verkenner oder Verächter zu verteidigen, wird von Theologen der Gegenwart (vgl. D. Hoffmann, das Buch Levitikus I S. 86) als überaus befremdlich empfunden und als unvereinbar mit dem Standpunkt des gesetzestreuen Judentums betrachtet, weil diese Theorie, losgelöst von der Gesamtanschauung ihres Autors und von dem Fundament seiner