Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292930-2292931--00030-2293258- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Von jüdischer Theologie. Aufblühen und Welken unentrinnbar (על ברהך אתה הי ועל בח־זך אתה מת Sp1\ d. V. 4,29) dem Wechsel und Wandel alles Irdischen unterliegen, ohne den Willen des Einzelnen und gegen den Willen des Einzelnen. Aber nicht ohne den Willen des allmächtigen Gottes, des ewigen Hortes und Hüters Israels. Ich glaube aufrichtig und wahrhaft, daß alle Anfechtungen, alle Schwierigkeiten, alle Gefahren, die dem Judentum aus den neuen Kulturzuständen erwachsen, nicht Werke sind einer Macht außer Gott, sondern die Waltung des unerforschlichen göttlichen Willens, vor dem wir in Demut uns beugen müssen, von dem unerschütterlichen Vertrauen erfüllt, daß alle diese Anfechtungen, Schwierigkeiten, Gefahren zu unserm Besten dienen und segensvolle Wirkungen vollbringen sollen. Wer nicht an ein blindes Fatum glaubt, sondern an den Gott Israels, der von Ewigkeit zu Ewigkeit thront über den Geschehnissen dieser Erde und seinem Volke eine Lehre der Wahrheit gegeben, der wird auch in den Verwickelungen und Problemen einer anders geartetenZeit als die unserer Väter war, Aufgaben erkennen, die Gott uns stellt, daß wir sie zu lösen suchen, nicht, daß wir uns willenlos treiben lassen vom Strome der Zeit und darin versinken, sondern daß wir nach dem Willen Gottes arbeiten und die Hände rühren und kämpfen und ringen für die Wahrheit Gottes, welche die Zeiten zu überdauern bestimmt ist. Fern sei es von uns, in verblendetem Dünkel hochmütig auf die herabzublicken, welche in Einfalt und Reinheit des Herzens Gott und seiner Lehre dienen, ohne sich um Wissenschaft und Theologie zu kümmern, welche aus der Überzeugung ihrer Seele heraus vielleicht gar Wissenschaft und Theologie als gottfeindliche Dinge verpönen und bekämpfen. Sie können Gottes Werk mehr fördern als die gelehrtesten und klügsten Theologen. Ist doch auch die Intensität jüdischen Lebens nicht abhängig vom Produzieren und Lesen literarischer Erzeugnisse des theologischen Büchermarktes, ja sogar dort am stärksten und ungebrochensten, wo man ihrer nicht bedarf. Aber nicht um die handelt es sich, welche unberührt blieben von den